Auf amerikanischen Wunsch ist die für den 7. November in Rom angesetzte Sitzung der Nuklearen Planungsgruppe der Nato-Verteidigungsminister abgesagt worden. Sie soll im Dezember in Brüssel nachgeholt werden – mit gekürztem Programm.

Die Amerikaner haben mehrere Gründe für die Vertagung: die Kabinettsvakanz in Rom, die griechisch-türkischen Querelen mit ihren Folgen für das Verhältnis Griechenlands zur Nato, vor allem aber die politische Entwicklung in Portugal. Washington, die militärischen Oberkommandos und das Generalsekretariat der Nato sind besorgt über diese Entwicklung, besonders aber über die Aufnahme eines kommunistischen. Ministers in das portugiesische Kabinett und über die politischen Tendenzen im portugiesischen Offizierskorps.

Eine gründliche Untersuchung der portugiesischen Situation ist auf amerikanischer Seite im Gange. Außenminister Kissinger hatte schon im August den CIA-Vizedirektor Walters nach Lissabon entsandt, um sich ein Bild zu machen. Daneben wurden mehrere andere Aufklärungsgruppen nach Spanien und Portugal geschickt. Ihre Berichte können nicht sehr optimistisch ausgefallen sein, sonst hätte Washington die Portugiesen schwerlich gebeten, auf die Teilnahme ihres Vertreters an der Sitzung der Nuklearen Planungsgruppe in Rom zu verzichten. Als Portugal ablehnte, ließ der US-Verteidigungsminister seinen Hauptvortrag für Rom und die Vorlage von Berichten über die Nuklearstrategie absagen. Inzwischen werden im Generalsekretariat und im internationalen Stab des Militärausschusses der Nato neue Richtlinien vorbereitet, welche die portugiesischen Vertreter vom Empfang der Geheimdokumente über Nuklearstrategie ausschließen.

Ein offener Konflikt zwischen Portugal, den Vereinigten Staaten und der Nato erscheint unabwendbar, wenn der Streit nicht beigelegt wird. Die Frage ist, ob es an der Südfront des Atlantikpaktes zum Austritt eines zweiten Verbündeten kommt. L. R.