Zwei amerikanische Konzerne kämpfen um den europäischen Bananenmarkt

Von Gunhild Freese

Sieben Jahre lang war die amerikanische Firma United Fruit mit ihrer Banane Chiquita unangegriffener Marktführer in Europa. Im achten Jahr nun könnte ihr der Markterfolg zum Verhängnis werden. Die Europäische Kommission in Brüssel teilte jüngst mit, daß sie gegen die europäische Tochtergesellschaft des amerikanischen Konzerns ermittelt. Grund: In Brüssel sei eine Beschwerde wegen des Mißbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung beim Vertrieb der Markenbanane Chiquita eingegangen.

Abgesandt wurde die Beschwerde mutmaßlich im dänischen Valby. Dort hatte sich bereits im März dieses Jahres die Gemüse- und Obstimportfirma Th. Olesen über die United Fruit Continentaal N. V. in Rotterdam beschwert. Die Bananenlieferanten nämlich hatten sich seit Oktober 1973 geweigert, den Alleinimporteur Olesen mit Chiquitas zu beliefern. Ihnen paßte es nicht, daß der Däne auch mit ihrem schärfsten Konkurrenten, der Standard Fruit Company aus San Francisco, zusammengearbeitet hatte – gerade zu dem Zeitpunkt, als in Dänemark eine Werbekampagne für die Standard-Fruit-Bananen-Marke Dole startete. Damit war das dänische Importhaus in einen der schärfsten Marktkämpfe geraten, der zudem noch durch Unwetter und die amerikanische Wettbewerbsbehörde angeheizt worden war.

So hatten Ende der sechziger Jahre schwere Unwetter Chiquita-Anbaugebiete in Panama, Costa Rica und Honduras heimgesucht, erhebliche Teile der firmeneigenen Bananenplantagen wurden dabei zerstört. Und zu Beginn des letzten Jahres hatte die United Fruit, die sich in den USA in United Brands umfirmiert hatte, auf Geheiß der US-Monopolbehörde von einzelnen Plantagen trennen müssen. Just zu dem Zeitpunkt hatten die Bananenverkäufer der Standard Fruit, die zum Nahrungsmittelkonzern Castle & Cooke Inc. gehört, der Chiquita in Europa den Krieg erklärt. Man wolle die Chiquita, so die Konkurrenz aus San Francisco, von Platz eins verdrängen. Und zu Beginn der diesjährigen Erntesaison traf die United-Fruit-Manager ein neues Ungemach. Der Hurrikan im September zerstörte erneut die Plantagen in Honduras und damit die gesamte Bananenernte.

Der Kampf um Marktanteile zwischen den beiden großen US-Konzernen, in dem auch kleine nationale Bananenimporteure gelegentlich eine – meist untergeordnete – Rolle spielen, ist erst durch eine Entwicklung möglich geworden, die am Obstmarkt einmalig ist: die Kreation eines Markenprodukts.

Zu Beginn des Jahres 1967 wurde im westlichen Europa eine Banane eingeführt, die nicht mehr anonymes Obst war wie Apfel, Birnen und wie auch Bananen sonst, sondern die Chiquita hieß. In einer Werbekampagne nach dem Muster klassischer Markenartikel (Kennzeichen: gleiche Ausstattung, gleiche Qualität, an allen Orten zu kaufen – wie ein Stück Seife) wurde die Chiquita auf den Obstmärkten eingeführt.