Die Dinosaurier unter den Lehrern, die noch Unterschiede zwischen Arbeiter- und Akademikerkindern machen, beziehungsweise Vorurteile gegen Arbeiterkinder haben, sind doch wohl ausgestorben. Im Gegenteil. "Linke" Lehrer haben bereits Unternehmerkinder vor der ganzen Klasse bloßgestellt ("Dein Vater ist ein Ausbeuterschwein!"), so daß sie weinend nach Hause gingen. Ist das nicht genauso falsch? Als mein Vater Oberbürgermeister war, waren meine beiden besten Freundinnen Arbeitertöchter. Weder Eltern noch Lehrer haben deshalb Unterschiede gemacht. Für die Lehrer zählten die Leistungen, für die Eltern unsere Persönlichkeit. Auch meine Eltern haben nie und vor niemanden verschwiegen, daß meine beiden Großväter Arbeiter gewesen sind. Gerade das schamhafte Vertuschen von Tatsachen, deren sich niemand zu schämen braucht, kommt einer Selbstdiskriminierung nahe. Wer den schwereren Weg zu gehen hat – aus finanziellen und anderen Gründen – kann sogar besonders stolz darauf sein. Und er sollte es sein! Lissy Flade, 19 Jahre

Was heißt hier muß? Natürlich besteht für den Lehrer kein Zwang, es zu wissen. Andererseits kann er durchaus soviel Vertrauen vom Schüler erwarten, daß dieser es mitteilt. Denn der Schüler will ja was lernen; will, daß der Lehrer ihm beim Lernen hilft. Wie kann dies der Lehrer in gezielter Weise tun, wenn der Schüler sein Milieu vor ihm geheimhält?

Susanne Wittern, 17 Jahre

Die gestellte Frage ist zu verneinen. Wenn die Lehrer die Berufe der Väter kennen, hat das eindeutige Benachteiligungen von Arbeiterkindern zur Folge, da man von diesen von vornherein geringere kognitive Fähigkeiten erwartet; dies kann in letzter Konsequenz gar zu einer Unterforderung des Arbeiterkindes führen. Mittelschichtkinder werden allein dadurch bevorteilt, daß die Lehrkräfte zumeist aus der gleichen Schichtzugehörigkeit stammen und so, ob nun bewußt oder unbewußt, dem Kind eine sozusagen "kollegiale" Sympathie entgegenbringen.

Thomas Suckfüll, 19 Jahre

* Wir sind der Meinung, daß der Beruf des Vaters. für die Schule unwichtig ist. Folgende Argumente sprechen für unsere Behauptung: