Am 23. November wollen sich der sowjetische Parteichef Breschnjew und der amerikanische Präsident Ford in Wladiwostok treffen. Diese Übereinkunft ist ein Ergebnis des dreieinhalbtägigen Moskau-Besuchs von Außenminister Kissinger. Bei seinen insgesamt zwanzigstündigen Gesprächen mit Breschnjew stand die Begrenzung der beiderseitigen strategischen Waffensysteme (SALT) im Mittelpunkt der Diskussion.

Nicht zufällig hatten die Vereinigten Staaten zum Auftakt dieser Begegnungen den Prototyp des neuen Überschall-Fernbombers B 1 vorgeführt und außerdem einen aufsehenerregenden Fortschritt in der strategischen Rüstung bekanntgegeben: Zum erstenmal ist es gelungen, eine Interkontinentalrakete vom Typ Minuteman 1 vom Flugzeug aus (einer C–5 A) zu starten.

Damit haben sich die Vereinigten Staaten von den verwundbaren ortsfesten Raketenstellungen noch unabhängiger gemacht, als es ihnen bisher schon durch die U-Boot-Raketen möglich war. Der Vorsprung der Sowjetunion auf dem Gebiet der Fernstreckenraketen mit starker Schubkraft ist dadurch stark relativiert worden.

Mit dem militärischen Vorteil ist freilich eine politische Gefahr verbunden: Ein Arsenal mobiler Fernraketen könnte künftige Abrüstungsverträge sehr erschweren, weil es nicht mehr zu überwachen ist.

Es gilt deshalb als sicher, daß Kissinger in Moskau darauf gedrungen hat, den toten Punkt in den SALT-Verhandlungen zu überwinden, und daß er die Frage des Verbots mobiler Raketen erneut ins Gespräch gebracht hat. "Wir zielen auf ein Abkommen im nächsten Jahr, und ich glaube an eine reale Chance", sagte Kissinger am Sonntag vor dem Weiterflug nach Neu Delhi.