Im Gerangel zwischen PAL und Secam liegt das deutsche Farbfernsehen vorn

Ein SECAM-Lobbyist gestand erleichtert: "Gott sei Dank ist jetzt mit Olympischen Spielen und Fußballweltmeisterschaft in Deutschland erst einmal Schluß. Jetzt können wir wieder vernünftig arbeiten." Der Stoßseufzer des Franzosen ist verständlich, denn die Farbübertragungen beider Großveranstaltungen durch das spanische Fernsehen nach dem von AEG-Telefunken entwickelten PAL-Verfahren veranlaßte viele Spanier, sich einen PAL-Farbfernseher zu kaufen. Das Erlebnis, Beckenbauer und Cruyff in Farbe zu bewundern, ließen sich viele Familienväter über 4000 Mark kosten.

Für die 40 000 Besitzer eines PAL-Fernsehgerätes könnte eines Tages das böse Erwachen kommen. Die Regierung hat sich nämlich noch nicht gegen das konkurrierende SECAM-System aus Frankreich entschieden. Sollte das französische System bevorzugt werden, so müßten die bereits gekauften Geräte umgestellt werden – was erneut mehrere tausend Peseten kosten würde.

Doch keiner der stolzen Eigentümer eines Farbfernsehers glaubt, daß die Regierung gegen PAL stimmen wird. Dieser Optimismus wird auch von AEG-Telefunken in Madrid geteilt: "Das spanische Fernsehen hat schon über 20 Millionen Mark in die technischen Einrichtungen zur Übertragung nach dem PAL-System gesteckt. Außerdem werden die meisten Testsendungen in PAL-Farben übertragen. Es wäre also mehr als eine Überraschung, wenn Madrid sich gegen PAL entscheidet."

Für das deutsche System spricht auch, daß die Vereinigung der Hersteller von Fernsehgeräten sich unter dem Einfluß der beiden Großproduzenten Philips und Telefunken für PAL ausgesprochen haben. Vor 14 Monaten wurde der letzte Vorstoß unternommen. In einem ausführlichen Memorandum wurde die Regierung aufgefordert, endlich ihre Entscheidung für PAL bekanntzugeben.

Schon einmal wähnte sich AEG-Telefunken am Ziel. Vor fünf Jahren beendete der spanische Ministerrat die Kontroverse zwischen PAL und SECAM zugunsten des deutschen Patents. Doch fünf Tage später mußte fast die gesamte Regierung zurücktreten. Das PAL-Votum wurde offiziell nie verkündet und erlangte somit keine Wirksamkeit – einer der seltenen Fälle in der jüngeren spanischen Geschichte, in der ein Beschluß des Ministerrates wieder rückgängig gemacht wurde.

Seitdem ist der Kampf zwischen Franzosen und Deutschen neu entbrannt. Jede Seite hat einen Katalog von Vorteilen für das eigene und Nachteilen für das andere System zusammengestellt. So behauptet Telefunken, PAL sei für Spanien besser geeignet, da ein guter Empfang auch in den Bergen gewährleistet sei. Auch ist die Verwandtschaft zum amerikanischen Farbsystem NTSC größer, so daß farbige Krimis und Western ohne Schwierigkeiten aus USA übernommen werden können. Und selten wird der Hinweis vergessen, daß alle westeuropäischen Staaten außer Frankreich sich für PAL entschieden haben.