Von Jakob Vollmar

Das steiermärkische Skidorf Tauplitz besaß schon 1931 den ersten in Österreich konzessionierten Skilift, es rühmt sich in den Prospekten, Europas längsten Sessellift zu betreiben (was freilich mindestens ein Dutzend andere alpine Winterorte von sich behaupten). Mit drei Hotels, sechs Gasthöfen und zwei Dutzend Privatpensionen – zusammen jetzt 1500 Betten – ist zwar noch kein üppiges Beherbergungspotential vorhanden, aber nach der – wenn auch negativen – Publicity und den hochfliegenden Plänen, die man hier verfolgt, setzen zumindest die Reiseveranstalter auf Tauplitzens Zukunft: Die Hannoveraner Veranstalter Scharnow und die österreichisch-deutschen Verkehrsbüros (Azur International) haben Tauplitz in ihren Programmen. "Die Abgesandten von mindestens zehn weiteren Reisefirmen haben sich schon bei uns umgesehen", schwärmt Herbert Hameder, Direktor jenes noch nicht existenten Hotels "Kulmblick", dessen Baugeschichte in den letzten zwei Jahren in österreichischen Blättern Schlagzeilen machte.

Noch ist der erhoffte Boom in Tauplitz nicht ausgebrochen, noch erlebt der Gast hier ein gemütliches Dorf ohne High Life und hohe Preise. Und selbst wenn das Hotel "Kulmblick" vielleicht im nächsten Jahr das örtliche Bettenangebot um 256 Luxus-Liegen bereichert und dementsprechend 256 Luxus-Menschen zum Erscheinungsbild gehören werden, wird sich am erfreulichen Ruhezustand vorerst nicht viel ändern.

Die Pläne des Berliner Eisenbiegers Wolfgang Bergmann (33), in Tauplitz ein "zweites St. Moritz" (Bergmann) mit etlichen Großhotels, Ferienpark und 1740 Betten zu bauen, sind den Protesten von Patrioten und den Finanzierungsmethoden des Berliner Eisenbiegers zum Opfer gefallen. (Gegen Bergmann hat die Staatsanwaltschaft in Leoben inzwischen Haftbefehl wegen Betrugs erlassen.)

Dabei bestehen in dem steiermärkischen Skidorf von Natur und Topographie her wirklich günstige Voraussetzungen für ein Wintersportzentrum. Über dem in einem weiten Talkessel gelegenen Dorf Tauplitz (1100 Einwohner, 890 m hoch), liegt auf 1600 Metern Höhe wie ein Sonnenbalkon die von Mitte Dezember bis in den Mai hinein schneesichere "Tauplitzalm". Die hügelige Hochfläche wird auf drei Seiten durch wuchtige Berge abgegrenzt und vor kalten Winden geschützt: Lawinenstein (1965 m), Schneider-Kogel (1762 m), Traweng (1928 m) und Sturzhahn (1903 m). Oben im Almengebiet haben sich die Hotels "Tauplitzalm", das neue "Kirchwirt" mit Ozon-Hallenbad, Sauna, Solarium, Kegelbahn), die "Alpenrose" sowie mehrere Privatvermieter niedergelassen. Ein Dutzend Schlepplifte baggern hier oben die Skifahrer bergwärts, ein Kurvenlift zum Lawinenstein steht noch auf dem Papier. Und während die Skiurlauber am Schleppseil hängen, können sie manchmal oben am Traweng die Gemsen beobachten.

Zwischen Tauplitz-Ort im Tal und der Schneeoase auf der Alm bestehen zwei Verbindungen im Winter: Einmal durch jenen sagenhaft langen Sessellift, der in zwei Sektionen die Skifahrer durch schattigen Wald nach oben befördert und den Beinamen "Tiefkühl-Transporter" hat; die frierenden Touristen werden in Decken verpackt. Zum anderen eine mautpflichtige Straße, die in Thörl (zwischen Tauplitz und Mittendorf) beginnt und sich zum Parkplatz hinter der Loperalm emporwindet. Von hier geht’s weiter mit Pferdeschlitten zu den Almenhotels. Dank der meterhohen Schneemassen bleiben wenigstens die Urlauber auf der Höh von Auspuffgasen und geparkten Blechkarossen verschont.

Die Abfahrten im Almengebiet entsprechen den Wünschen von Anfängern und mittleren Läufern. Es fehlen die schnellen "Pistensäue", die den noch Unsicheren in manchem anderen österreichischen Skiort das Vergnügen vergällen. Man rutscht geruhsam von einem Lift zum anderen und genießt dazwischen in einer Schneehöhle, auf den eigenen Brettern als Liegestuhl, die Sonne oder schaut begeistert in das sich weit öffnende Bergpanorama mit dem Dachstein im Westen als Hauptanziehungspunkt. Dazwischen hat man eine Brotzeit auf einer Almhütte oder im komfortableren Hotel-Restaurant.