Der französische Staatspräsident Giscard d’Estaing hat die Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft für die nächste Monatswende nach Paris eingeladen. Hauptthema des Gipfeltreffens sollen Arbeitsweise und Struktur der politischen Institutionen der EG sein.

Giscard sagte in diesem Zusammenhang auf seiner zweiten Pressekonferenz als Präsident der Republik, daß gewisse Souveränitätsverzichte der Einzelstaaten im Laufe der Zeit unvermeidlich seien. So deutete er Frankreichs Bereitschaft an, die unhandliche Regel der Einstimmigkeit bei Ministerratsbeschlüssen in der EG nur noch für Entscheidungen von dringendem nationalen Interesse gelten zu lassen. Damit solle die praktische Arbeit der Gemeinschaft erleichtert werden, ohne daß Frankreich deshalb einer "Beherrschung von außen" zustimme.

Eine Auflockerung der Europa-Politik seines Vorgängers Pompidou zeigt sich auch in der Bereitschaft zur künftigen Direktwahl des Europäischen Parlaments.

Giscard regte ferner für die Jahreswende eine Konferenz von maximal zwölf Ländern oder Ländergruppen über die Energiepolitik an. Die EG solle möglichst mit einer Stimme sprechen.