Wer kennt nicht die Frage, was leichter sei, ein Kilo Eisen oder ein Kilo Daunenfedern? Natürlich die Daunen. So gerechnet ist es sinnlos, sich darüber aufzuregen, daß Flugzeuge sich der verspäteten Schwalben angenommen und sie in den Süden gebracht haben. Wenn solch ein Vogel mit lauter Vögeln an Bord dahinfliegt, und daher praktisch nichts wiegt, braucht er kaum Brennstoff. Und das ist in heutiger Zeit ja wichtig.

Die Leute, die etwas von Schwalben verstehen, haben uns allerdings weismachen wollen, wir hätten die frosterstarrten Tiere, wenn wir sie zu Tausenden in kalten Gegenden, beispielsweise auf den Spitzen der Alpen, fanden, einfach mit ungesalzenem Hackfleisch füttern sollen. Dann hätten sie schon weitergefunden. Diese Behandlung wäre ihnen besser bekommen als ein Flug mit der Lufthansa oder der Air France ans Mittelmeer. Das klang so, als könnten die Schwalben eine solche Reise nicht vertragen. Luftkranke Schwalben – wer sollte so etwas glauben?

Aber nehmen wir an, daß es in solchen Fällen besser sei, Schwalben-Erwärmungsanlagen und Hackfleisch-Krippen zu bauen und die so versorgten Tiere einfach mit eigener Kraft davonfliegen zu lassen, egal, wohin, so wissen wir, daß die Menschen, obwohl sie immer so hart mit den eigenen Artgenossen umgehen, wenigstens nett zu den Schwalben sind. Flüge zu veranstalten für Tiere, die selber fliegen können, das bestätigt den Satz: "Der Mensch ist gut."

Er will wenigstens den Schwalben helfen, die ja auch wirklich ganz sympathische Wesen sind, aber in diesem Jahr nicht völlig auf dem Posten waren. Nerven?

In unserer Gegend ist beispielsweise sehr früh im Jahre die berühmte Schwalbe erschienen, die noch keinen Sommer macht. Erst viel später kam das Gros, die Masse. Bald bauten zwei Paare im Stall Nester mit verbissener Wut, obwohl sie mit ihren Wohnungen vom vorigen Jahre noch ganz gut hätten zufrieden sein können. Sie waren nervös. Die ersten Schwälbchen flogen aus. Nicht lange, und das Eierlegen und Brüten hub von von neuem an. Und dies, obwohl in der Zeitung stand, alle Anzeichen der Natur ließen auf einen frühen und harten Winter schließen.

Nun gut, entweder gehören die Schwalben nicht zur Natur oder sie sind dumm oder – was schlimmer wäre – unmenschlich.

Wenn es zutrifft, daß die Naturgesetze nicht auf sie anwendbar sind, dann ist nichts zu machen. Ebensowenig können wir die Schwalben verurteilen, wenn sie dumm sind, was sie dadurch bewiesen hatten, daß sie zweimal brüteten, anstatt an rechtzeitige Abreise zu denken. Statt vier Schwalben saßen bei Herbstanbruch zweiundzwanzig auf unserm Dach.