Das Volkswagenwerk baut weiter Personal ab. 600 tunesische Gastarbeiter wurden der Ruhrkohle AG vermittelt.

Die Ölkrise macht das Ruhrgebiet wieder attraktiv. Noch vor wenigen Jahren suchten die Kumpels, die in der Kohle keine Zukunft sahen, neue Arbeitgeber. Opel baute ihnen ein Werk in Bochum. Aber andere Bergleute zogen zu Tausenden in vermeintlich krisensichere Regionen der Bundesrepublik, wo Autoindustrie, Autozulieferer oder autoabhängiger Maschinenbau sichere Arbeitsplätze versprachen. –

Nun hat sich das Blatt gewendet. Die Autobranche ist selbst in eine schwere Krise geraten. Ein gewichtiger Beleg für die neue Wertschätzung des Bergbaus kommt aus Wolfsburg: 600 Tunesier, deren Einjahresverträge in der Autostadt abgelaufen waren, wurden mit Hilfe der Arbeitsämter direkt an die Einheitsgesellschaft des Ruhrbergbaus, Ruhrkohle AG, "weitergereicht".

Zudem hat das Volkswagenwerk seine Pläne zur Personalverminderung verschärft. Viele Monate lang galt für die inländischen Werke eine Mitarbeiterzahl von 114 000 als Ziel für das Jahresende 1974. Das wäre ein Abbau von 12 000 Arbeitern und Angestellten innerhalb eines Jahres gewesen. Inzwischen haben bereits 10 000 Beschäftigte das Werk verlassen. Neue Planzahl für die nächsten Monate: allenfalls 110 000 Beschäftigte.

Wie schon einmal im Juni dieses Jahres bietet VW deshalb wieder Aufhebungsverträge an, mit denen es seinen Mitarbeitern freiwilliges Ausscheiden durch eine Abfindungszahlung prämiiert.

Im Unterschied zur Toraufgegangenen Abfindungsaktion werden diesmal nicht nur Arbeiter, sondern auch Angestellte angesprochen, und zwar in allen sechs Werken. Die Verwaltung in Wolfsburg rechnet damit, daß auf diese Weise 5500 Mitarbeiter ihren Abschied nehmen, darunter etwa 1900 mindestens 62jährige Männer und 59jährige Frauen, die vorzeitig in Pension gehen;

Im übrigen soll wieder durch Kurzarbeit (vom 25. bis 29. November und vom 16. bis zum 20. Dezember) die erforderliche Produktionseinschränkung erreicht werden. An Massenentlassungen, wie sie der amerikanische Branchenriese General Motors jetzt angekündigt hat (siehe Seite 48), ist nicht gedacht, rf