Eine der entscheidenden Fragen ist: Wie soll Europa, in den notwendigen energiepolitischen Gleichschritt fallen, wenn nicht seine Führer gemeinsam das Kommando dazu geben? Die Brüsseler Eurokratie ist gewiß nicht in der Lage, die tripolare Entwicklung auf dem Sektor Energiepolitik zu koordinieren. Der Ansatz einer Energiestrategie der Neun, die Zusammenarbeit des Washingtoner Zwölferklubs (ohne Frankreich), die angestrebte Kooperation zwischen Erdölproduzenten und -konsumenten – das sind auseinanderstrebende Bemühungen, die nur von der europäischen Spitze auf einen Nenner gebracht werden können.

Dieses Ziel und andere Ziele will Frankreich mit dem neuen Anlauf zu einem "globalen Zusammenhalt" der Gemeinschaft erreichen. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit gibt es für dieses weitgesteckte Vorhaben sicher glaubwürdigere Verfechter als gerade die Franzosen. Aber aus zwei Gründen besteht derzeit mehr als je zuvor die Chance, daß sie es ernst meinen, daß sich ihre nationalen und europäischen Interessen decken: Erstens erkennt auch Frankreich angesichts wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit immer deutlicher die Aussichtslosigkeit von Alleingängen. Zweitens ist Paris sehr daran interessiert, zum Ende seiner europäischen Präsidentschaft zu Ende dieses Jahres eine positive Bilanz vorweisen zu können. Bonn sollte diese Veränderungen bedenken und der französischen Regierung einen Vertrauensvorschuß gewähren.