Die italienischen Unternehmer lehnen massive Forderungen der Gewerkschaften nach Inflationsausgleich ab. Jetzt drohen neue Streiks.

Die heftigen Auseinandersetzungen zwischen italienischen Unternehmern und Gewerkschaften um die automatische Anpassung der Löhne an die Inflation, die sogenannte Scala mobile, droht in eine neue Streikserie zu münden.

Der staatliche italienische Unternehmerverband und der private Unternehmerverband Confindustria wehren sich nämlich gegen eine Beschleunigung der Scala mobile, nach der die Lohnzuschläge als Inflationsausgleich jeweils für drei Monate im voraus höher festgesetzt werden sollen. Die Gewerkschaftsverbände vertraten kompromißlos ihren Anspruch, so daß die Verhandlungen mit den Privatunternehmen Ende vergangener Woche abgebrochen wurden.

Die Lohnzuschläge werden nach Punkten berechnet, die je nach der Lohnklasse einen verschieden hohen Wert haben. Die Gewerkschaften fordern jetzt, künftig alle Lohn- und Gehaltsklassen zu streichen und die höchste Klasse, bei der ein Punkt umgerechnet vier Mark gilt, für alle Beschäftigten zugrunde zu legen.

Bei einem Anstieg der Verbraucherpreise von 24,6 Prozent im September dieses Jahres gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat sind für November 1974 bis Februar 1975 pro Beschäftigten etwa 13 bis 14 Punkte fällig.

Schon in diesem Jahr muß die angeschlagene italienische Wirtschaft für den automatischen Lohnausgleich ohne die Mehrforderungen bereits rund zehn Milliarden Mark aufbringen. Die Forderungen der Gewerkschaften nach Wegfall des Klassensystems würden neue Kostensteigerungen in Höhe von über drei Milliarden Mark bedeuten. Die Gewerkschaften machen ihre Ansprüche außerdem rückwirkend für das ganze Jahr geltend. Dazu kommen noch de Lohnsteigerungen auf Grund laufender Branchen- und Betriebstarifverträge.

Sogar die Staatsindustrie, die sonst eher geneigt ist, auf Forderungen der Gewerkschaften einzugehen, lehnt eine Beschleunigung der Scala mobile ab. Sie ist der Meinung, daß nur eine neue Regierung den Rahmen der Steigerungen genehmigen könne. Doch noch ist nicht abzusehen, wann in Rom eine Entscheidung getroffen wird. Die Privatunternehmer ließen unterdessen keinen Zweifel daran, daß sie von den Gewerkschaften als Gegenleistung für eine angemessene Steigerung des Inflationsausgleichs zugunsten der Bezieher niedriger Einkommen Konzessionen erwarten. Die Staatsunternehmen schlossen sich diesem Argument an.