Caspar David mochte es lieber kleiner. Wenn man seine Worte richtig versteht, wäre er von den Massen vor seinen Bildern in der Hamburger Kunsthalle zwar angetan, aber weniger wäre für ihn mehr gewesen. "Es ist eine große Ehre, ein großes Publikum für sich zu haben. Aber gewiß ist die Ehre noch größer, ein kleines, auserlesenes Publikum für sich zu haben", schrieb er einst.

Zu der Friedrich-Schau, die bis zum 3. November läuft, strömten bisher 150 000 Menschen, bereits nach vier Wochen zählte die Ausstellung so viele Besucher wie sonst die Kunsthalle in einem ganzen Jahr. Am vergangenen Sonntag war man dem Ansturm nicht mehr gewachsen; erstmals in der Geschichte der Hamburger Kunsthalle mußten ihre Tore geschlossen werden. Bis zu zwei Stunden warteten die Besucher geduldig, bevor sie schubweise vor Friedrich-Altäre treten durften.

Warum nun kommen so viele Besucher? Einer schrieb ins "Gästebuch", das im Vorraum der Kunsthalle ausliegt: "Hier wird durch die Werbung und Presse eine Ausstellung in den Mittelpunkt gestellt und aktualisiert, deren Bilder unbeachtet in Museen hingen. Jetzt strömen Tausende herbei, um dieses Genie zu bestaunen. Manipulation!"

Manipulierte oder echte Begeisterung? Wir fragten wahllos ein paar Besucher, warum sie sich die Friedrich-Ausstellung ansehen wollten.

"Ich gehe selten in Kunstausstellungen, aber ein ausführlicher Bericht in einer Zeitung über die Caspar-David-Friedrich-Ausstellung machte mich neugierig."

"Wenn so viel über eine Ausstellung geschrieben wird, dann muß sie ja sehenswert sein."

"Eigentlich bin ich durch die Briefmarke auf Caspar David Friedrich gestoßen."