Stockender Weltmachtdialog, knirschende

Entspannungs-Konferenzen

Von Lothar Ruehl

Nach dem aufblühenden Moskauer Frühling des Jahres 1972 ist Rauhreif auf das amerikanisch-russische Verhältnis gefallen. Drei frostige Herbste der internationalen Politik haben die Entfaltung der erstrebten Weltmachtharmonie im Flußbett der alten Rivalitäten erstarren lassen. Die Verhandlungen über Sicherheit sind nahezu eingefroren. Droht ein Rückfall der Politik aus der Entspannung in das Eis des Kalten Krieges?

In Washington zieht der Verteidigungsminister James Schlesinger in immer neuen Erklärungen die Grenzen der Entspannung. Er fordert mehr Geld für die Rüstung, damit die Vereinigten Staaten angesichts eines jährlichen Realzuwachses am sowjetischen Militäretat zwischen 4 und 5 Prozent nicht "in fünf bis sechs Jahren" gegenüber der Sowjetunion "eine Militärmacht zweiter Klasse" werden. Seine Vorstellung von "Gleichwertigkeit" zwischen den strategischen Streitkräften beider Staaten und eines "weltweiten Gleichgewichts", zu dem auf amerikanischer Seite die europäischen Verbündeten mit ihren Streitkräften und ihrem Verteidigungsaufwand beitragen sollen, werfen die Frage auf, unter welchen Bedingungen zwischen den beiden Weltmächten eine militärische Balance und globale Sicherheit in Zukunft ausgewogen werden können.

Sowjetische Sperrdiplomatie

In Moskau hat Außenminister Henry Kissinger sich jüngst zu "konstruktivem" Meinungsaustausch mit den Sowjetführern über ein solches Gleichgewicht der strategischen Militärmacht bei beschränkten Rüstungen als Basis der Sicherheit beglückwünscht. Aber er hatte vor der Reise nach Moskau auch gewarnt, daß weiterer Verzug in der Vereinbarung umfassender und unbefristeter Begrenzungen der strategischen Angriffswaffen den Rüstungstechnikern einen nicht mehr einholbaren Vorsprung vor den Rüstungskontroll-Diplomaten geben würde.