Die Berlin-Politik der DDR ist unverständlich. Erst gab es grundlose und abkommenswidrige Wartezeiten im Berlin-Verkehr; sie wurden mit technischen Unzulänglichkeiten entschuldigt, obwohl ihre Mutwilligkeit, ja Böswilligkeit nicht zu übersehen war. Dann sprach sich SED-Chef Honecker für eine weitere Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten aus und verblüffte mit der Behauptung, die Dinge seien weiter gediehen, als manche glaubten – kurz darauf reduzierte Ost-Berlin die Mindestumtauschsätze, die vor einem Jahr verdoppelt und auf die Rentner ausgedehnt worden waren.

Damit hat die DDR dem ständigen Drängen aus Bonn und West-Berlin nachgegeben. Freilich nicht ganz. Daß die DDR-Regierung nicht zu den alten Sätzen von fünf Mark für einen Ost-Berlin-Besuch und zehn Mark für jeden Aufenthaltstag in der DDR zurückgekehrt ist, hätten Bundesregierung und Senat noch hingenommen. Daß aber die Rentner weiter zahlen sollen, die dreißig Prozent der Besucher ausmachen, kann nicht akzeptiert werden. Gerade um die Entlastung der alten Menschen ohne Arbeitseinkommen war es schließlich bei den Gesprächen gegangen.

Die DDR-Führung kann denn auch im Ernst nicht annehmen, mit diesem kurzen "Schritt auf dem richtigen Weg" – wie Berlins Regierender Bürgermeister Schütz sagte – werde die Straße zu jenen Verhandlungen frei, an denen sie interessiert ist. Die krummen Umtauschsätze von 6,50 und 13 Mark sind ein fauler Kompromiß. Die Annahme liegt also nahe, hier sei auf einen Wink aus Moskau hin nur eben das Allernotwendigste getan worden, um vor dem Kanzlerbesuch in der Sowjetunion ein bißchen guten Willen zu demonstrieren. Aber wenn Ost-Berlin mehr Kooperation will, wird es mehr guten Willen zeigen müssen.

J. N.