Mit einem Trick soll das schlechte Image des Reiselandes aufgebessert werden

Vier Anzeigen sollen den Deutschen ein Produkt wieder lieb und teuer machen, das seit vier Jahren immer unbeliebter und teurer geworden ist. Ein Trick soll dabei zum Erfolg führen: Das ungeliebte Produkt wird gar nicht erst beim Namen genannt.

Von Mitte Oktober bis Mitte Dezember läuft derzeit eine Anzeigenkampagne in fünf überregionalen Zeitungen und Zeitschriften, die die liebenswerten und vorteilhaften Eigenschaften eines Reiselandes preist, ohne dessen Namen zu nennen: Tunesien.

Das einst in der Gunst reiselustiger Deutscher hochangesehene Mittelmeerland hat in den letzten Jahren sein Image radikal verschlechtert. So waren 1961 nur 46 000 ausländische Touristen nach Tunesien gereist, 1972 waren es 780 000. Doch seither müssen die tunesischen Touristikmanager, Hoteliers und Gastwirte für langjährige Versäumnisse und Fehlentwicklungen büßen. Der Reisestrom ging 1973 auf 710 000 Touristen zurück. Besonders die Deutschen, die am zahlreichsten kommen und am längsten bleiben, blieben aus.

Die Gründe für die touristische Schlappe:

  • Die Hotels sind – immerhin im Stil der maurischen Bauweise angepaßt – weit außerhalb der Städte gebaut worden, so daß den Touristen das reizvolle Hinterland fehlt. Verkehrsverbindungen zu den Städten sind unzureichend.
  • Selbst in Hotels höherer Klasse entspricht der Service nicht den Ansprüchen der ausländischen Urlauber.
  • Nebenkosten, Extras und Getränke wurden von Saison zu Saison teurer.
  • Technische Installationen in den Hotels wie Duschen, Klimaanlagen, Toiletten funktionieren allzuoft nicht.
  • Im letzten Jahr machten eine Überschwemmung und eine Choleraepidemie Schlagzeilen und hielten den Touristenstrom fern.
  • Eine mit dem sittenstrengen Libyen angekündigte Fusion ließ zudem sämtliche Hoffnungen auf ungetrübte Urlaubsfreuden dahinschwinden.

Zwar verlief der politische Fusionsplan im Wüstensande, zwar wurden die Preise vom tunesischen Parlament um die Hälfte reduziert, zwar wurden Hotelfachschulen errichtet, um das Personal für höhere Ansprüche fit zu machen, doch das schlechte Image blieb.