Das SpieL heißt "Tempo", ist einfach und amüsant, weil es eben nicht nur um das Tempo geht. Es besteht aus einer Tafel mit 6X50 Feldern plus sechs Zielfeldern, sechs verschieden gefärbten "Pferden", sechs Sechsersätzen Karten mit den gleichen Farben und sechzig Karten mit Zugbefehlen. Am Spiel können sich zwei bis sechs Spieler beteiligen.

Die Figuren bewegen sich zum Ziel wie bei "Mensch ärgere dich nicht", nur daß statt von Würfein der Fortgang von den Befehlen auf den Karten bestimmt wird. Jeder kriegt seine Karten, je nach der Zahl der Spieler, höchstens aber fünfzehn, sieht sie sich an, schätzt, welche "Pferde" nach seiner Karte die besten Chancen haben, und wählt danach die drei Pferde, auf die er setzt. Das heißt, er nimmt aus dem Sechsersatz die drei Farben und legt sie auf den Tisch in der Reihenfolge, wie er den ersten, zweiten und dritten Platz tippt. Er zeigt sie jedoch den Partnern nicht, sie sollen seine Favoriten nicht kennen. Der Haken ist, daß auf den Zugkarten immer mehrere Befehle – für verschiedene Pferde, manchmal auch für alle – stehen. Man muß sich also gut überlegen, welche Karte man auf den Tisch legt. Der Ärger ist schlimmer als bei "Mensch, ärgere dich nicht" – man kann zwar nicht herausgeworfen werden, man befördert jedoch die Gegner mit. Jeder Spieler führt ein Doppelspiel – als "Jockey" und als wettender Zuschauer –, denn es gibt Punkte nicht nur für die Placierung, sondern auch für den richtigen Tip.

"Tempo" ist so eine Mischung von Glücksspiel und taktischem Kartenspiel. Wegen seiner Einfachheit und seines schnellen Verlaufs würde ich es zu den Grundspielen zählen wie "Mühle" oder gar "Dame". Verlockend sind die Möglichkeiten, das Spiel zu variieren. Man kann sich zum Beispiel einigen, daß man das Feld zwei- oder mehrmal durchläuft (bei mehr als drei Spielern sind zwei Durchgänge vorgeschrieben). Man kann die Elemente des Glückspiels stärken, wenn man darauf verzichtet, die Karten bewußt auszuspielen, sondern sie mischt und auf den Tisch legt, wie sie kommen. Man kann auch die Pferde "blind" wählen, ohne sich zuerst die eigenen Zugkarten anzusehen. Unter Umständen können auch mehr als sechs Leute "Tempo" spielen, allerdings nur als werende Zuschauer – wenn sie auf ein Stückchen Papier "1. Rot, 2. Gelb, 3. Schwarz" oder "1. Blau, 2. Orange, 3. Grün" schreiben.

Bei dem Spiel nach den ursprünglichen Regeln braucht man auch ein wenig Psychologie, um zu erkennen, wer auf welche Pferde setzt. Wie in Leben findet der zäheste taktische Kampf nicht zwischen erklärten Gegnern, sondern zwischen Verbündeten statt: wenn ein Partner dieselbe! Pferde gewählt hat, aber auf eine andere Siegerfolge tippt. Man versucht dann, seine Figuren so schnell ans Ziel zu bringen wie möglich; der Partner-Gegner hilft dabei; man muß jedoch aufpassen, um ihm keine Gelegenheit zu geben, den Roten auf den ersten Platz und den Grünen auf den zweiten zu befördern: Sie haben umgekehrt getippt und können somit um teure 11 Punkt; von 24 möglichen kommen. In allen Varianten ist das Spiel leicht und macht Spaß. Gabriel Laub

Tempo. Ein Gesellschaftsspiel ab acht Jahre für zwei bis sechs Spieler von ASS (Altenburg-Stralsunder Spielkartenfabriken AG), 22 Mark.