Auch bei den Galeristen macht sich die Rezession bemerkbar

Wenn die Messen nicht laufen", meinte der Frankfurter Galerist Herbert Meyer-Ellinger vor Beginn der Kunstmärkte in Köln und Düsseldorf, "wird es wohl ein gewisses Galerien-Sterben geben." Nachdem nun in der Domstadt die Superschau musealer Werte und in der rheinischen Landeshauptstadt der Jahrmarkt der Kunst und des Kunstgewerbes zu Ende gegangen sind, werden zwar keine Todesanzeigen gedruckt, aber viele Galerien für moderne Kunst sind auch noch nicht über den Berg.

Die beiden rheinischen Messen waren der erste Test dieses Herbstes auf einem Markt, auf dem sich seit Ende vergangenen Jahres deutliche Zeichen einer Rezession bemerkbar machen. Vom Boom der sechziger und frühen siebziger Jahre ist nichts mehr zu spüren. Die Gründe dafür sind sowohl in der wirtschaftlichen Lage wie in der Situation der Kunst zu suchen.

Die ungeschriebenen Gesetze des Kunsthandels früherer Jahre gelten nicht mehr: Die wirtschaftlich unsicheren Zeiten erhöhten weder die Flucht in die künstlerischen Sachwerte noch bestätigte sich die Regel, daß schlechte Börsenjahre gute Kunsthandelsjahre sind. Seit das Geld knapp und teuer geworden ist, zögern viele Kunstkäufer, ihre liquiden Mittel in Kunstwerken anzulegen. Sie tragen ihr Geld lieber zur Bank und lassen sich neun oder zehn Prozent Zinsen gutschreiben: So schnell kann auch der geschickteste Kunst-Spekulant sein Geld nicht vermehren. Und so mancher Sammler verschiebt heute einen Ankauf, weil er weiß, daß ein teures Bild auch noch in drei Monaten und dann möglicherweise billiger zu haben ist.

Hinzukommt, daß einige traditionelle Sammlerschichten heute ausfallen. Bei der Krise des Baugewerbes und bei fehlenden Aufträgen privater und öffentlicher Auftraggeber kann es sich beispielsweise kaum ein Architekt noch leisten, Kunst zu kaufen. Ähnliches gilt für viele Werbeleute, die ebenfalls in den Windschatten der Konjunktur geraten sind.

Die Zurückhaltung der Käufer trifft zusammen mit einer Krise der sogenannten progressiven Kunst. Alle großen Kunstrichtungen der vergangenen Jahre von der Minimal Art bis zur Concept-Kunst sind entweder von sich selber oder vom veränderten Geschmack des Publikums überholt worden. Eine neue Richtung ist überhaupt nicht, überzeugende Einzelleistungen sind nur selten zu erkennen. Statt dessen versuchen die Epigonen ihr Glück: In Düsseldorf wurde der Besucher von Neo-Realisten, Phantasten, Surrealisten und Konstruktivisten der dritten und vierten Garnitur total desorientiert.

Viele Sammler, die sich noch vor kurzem für die aktuelle Kunst interessierten, orientieren sich deshalb jetzt an den gesicherten Werten der Vergangenheit. Ebenso wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen macht sich auch im Kunstbetrieb ein Zug zum Konservativen, zur Vergangenheit bemerkbar. Es kommt nicht von ungefähr, daß derzeitig die Caspar-David-Friedrich-Gedächtnisausstellung in Hamburg und die Impressionisten-Retrospektive in Paris die seit langem erfolgreichsten Ausstellungen sind.