Der Hausarzt sagte: "Grippe." Als die Grippe aussah wie eine Lungenentzündung und Penicillin noch immer nicht half, schickte der Arzt das Ehepaar schließlich in die Spezialklinik des Hamburger Tropeninstituts. Wenige Tage später waren sie tot, erst die Frau, tags darauf: der Mann. Gestorben an Leberabzessen, die sich im Verlauf einer Amöbenruhr-Infektion gebildet hatten – vier Wochen nach Rückkehr von einer gemeinsamen, kurzen Fernostreise.

Ein Manager aus dem Ruhrgebiet kam mit dem Ekel davon: Sein Abzeß brach auf, er konnte Blut und Eiter abhusten – auf einem Rastplatz an der Autobahn. Der Patient befand sich auf dem Transport in die Hamburger Spezialklinik. Oberarzt Günter Hartmann: "Bei so etwas sind wir immer ganz froh. Dann kann man wenigstens mit der Heilung beginnen."

Einem Afrikaheimkehrer retteten nur eine Blitzoperation der Nieren und die Intensivstation der Hamburger in letzter Sekunde das Leben: Die Malaria hatte seine Blutreiniger unbrauchbar gemacht. Und das, obwohl der Mann sich in Sicherheit wähnte: Regelmäßige Gin Tonics und das mit Chinin versetzte Bier im Urlaubsland würden ihn, so glaubte er allen Ernstes, schon schützen. (Schutz bietet einstweilen nur das Präparat Resochin, sofern es vor, während und nach der Reise regelmäßig eingenommen wird.)

Jährlich sterben allein am Hamburger Tropeninstitut etwa ein Dutzend Patienten an den Folgen einer Amöbenruhr- oder Malaria-Infektion – und an den Folgen akuter Unwissenheit. Denn bei richtiger und rechtzeitiger Diagnose läßt sich der Tod vermeiden.

Doch Deutschlands Ärzte nehmen die Tropen nicht ernst. Kaum einer von ihnen denkt daran, bei der Erhebung der Krankengeschichte seinen Patienten nach einem Tropenaufenthalt zu fragen. Und kaum ein Patient denkt daran, mit dem Arzt über seinen letzten Urlaub zu reden.

Dabei sind die Tropenkrankheiten eher im Vor- als im Rückmarsch. So gibt es noch immer kein sicheres Mittel gegen den Malariaerreger, einen Parasiten, der beim Stich der Anopheles-Mücke übertragen wird.

Die Amöbenruhr, ausgelöst von Darmparasiten, lauert überall dort, wo beispielsweise Trink- und Abwasser ineinanderfließen. Das ist in den Entwicklungsländern mit ihren hastig hochgezogenen Hotels vorn und berstenden Slums hinten weiß Gott keine Seltenheit. In seiner Überlebensform als Amöbenzyste bleibt der Parasit selbst im Eiswürfel wochenlang intakt – Whisky on the rühr statt on the rocks. Und wenn schon – ein einziger Amöbenträger scheidet täglich bis zu 40 Millionen neue Zysten aus.