Von Christian Zach

Zum Bildungsurlaub, der in einigen Bundesländern bereits Wirklichkeit geworden ist, laden auch die Veranstalter von Management-Kursen ein. Freilich nicht so, wie sich Gewerkschaften und Bildungspolitiker das vorstellen: Das Neckargemünder Management Institut Hohenstein etwa offerierte kürzlich per Prospekt einen "Bildungsurlaub auf Kreta". Harter Kern der Veranstaltung: Seminare zu den Themen "Die Aufgaben des Managers", "Grundsätze des Finanz- und Rechnungswesens für Nicht-Fachleute" und "Dialektik".

Zwei Wochen sollte dieser "Bildungsurlaub" auf der schönen Mittelmeerinsel insgesamt dauern, die Kurse selbst ganze fünf Tage. Die restliche Zeit war unter anderem für "Besichtigungen der historischen Ausgrabungsstätten" reserviert. Schon hält das Hohenstein-Institut für 1975 ein neues Angebot parat: Dialektik- und Marxismus-Seminare auf den Kanarischen Inseln.

Andere Veranstalter derartiger Management-Kurse haben bereits Konsequenzen aus einem Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen gezogen, das inzwischen rechtskräftig geworden ist: Kongreß-Kreuzfahrten auf hoher See seien rein private Vergnügungsreisen, die lediglich aus steuerlichen Gründen als berufliche Fortbildungsveranstaltungen deklariert würden (Aktenzeichen IX 190/71).

Den Anlaß zu diesem Urteilsspruch gab zwar ein Vertreter der für Kongresse in attraktiver Urlaubsumrahmung besonders bekannten Ärzteschaft. Doch auch hochstehende Manager müssen sich davon angesprochen fühlen, die Seminar-Kreuzfahrten wie die "Chefgespräche auf See" des Stuttgarter Seminar-Instituts Mehr Wissen oder das Ostsee-Seminar des Hohenstein-Instituts als Geheimtip weiterempfehlen.

Doch nicht nur Kreuzfahrt-Seminare erlauben Top-Managern einen gelegentlichen Zwischenurlaub auf Kosten des zu versteuernden Firmengewinns. Auch andere, von den Finanzgerichten bisher nicht behelligte Seminar-Angebote spekulieren auf Steueranreiz und geheime Urlaubswünsche. Zum Beispiel vereinbarte der Hamburger Unternehmensberater Peter Linnert eine Zusammenarbeit mit der Maritim-Hotelkette. Unter dem Slogan "Intensivausbildung und Erholung" boten sie "ein Kombinationsprogramm von Ausbildung und Erholung" an, "das weder nach der einen noch nach der anderen Seite Wünsche offen läßt".

Linnert sieht sich in seiner Strategie, Manager-Seminare mit Ferien-Flair auf (steuerreduzierende) Firmenkosten zu offerieren, bisher bestätigt: "Das Angebot brachte keinen unbedeutenden Erfolg. Zusätzlich zum ursprünglich vorgesehenen Programm mußte unser Marketing-Institut vier große Veranstaltungen einplanen." Gegen diese Art von Erholungsseminaren in einheimischen Hotels erheben die Finanzrichter vorerst keine Einwände. In ihrer Urteilsbegründung nahmen sie ausdrücklich inländische Hotels von ihrem Verdikt aus: Man könne ja schließlich statt auf Hochsee-Kreuzfahrten auch im Harz dazulernen.