ZEIT: Sie haben kürzlich geäußert, daß der Gesetzentwurf zur Mitbestimmung noch geändert werden müsse. Welche Änderungen schweben Ihnen vor?

Lambsdorff: Eine Änderung des Wahlverfahrens. Das jetzt vorgesehene Wahl verfahren zementiert den Status gewerkschaftlicher Organisationen, die in einem Betrieb die relative Mehrheit haben. Es gibt einer Organisation, die als relativ stärkste Organisation in einem Betrieb nur 30 Prozent der Stimmen auf sich vereinigt, die Möglichkeit, hundert Prozent der Aufsichtsratssitze auf der Arbeitnehmerbank zu besetzen; es gibt Minderheiten keinerlei Chance und ist deswegen nach meiner Oberzeugung nur schwer vereinbar mit den Vorstellungen, die die FDP von der Mitbestimmung als einem Individualrecht hat.

ZEIT: Gibt es weitere Punkte?

Lambsdorff: Hier muß man unterscheiden. Das Wahlverfahren ist in dem Kompromiß zwischen den Koalitionsparteien vereinbart worden. Fragezeichen hinter diesem Kapitel sind daher von besonderer Bedeutung. Es gibt noch einige andere Fragen, die überprüft, durchdacht, ergänzt werden müssen. Doch die gehen nicht an den Kern des Kompromisses.

ZEIT: Sie haben also keine verfassungsrechtlichen Bedenken?

Lambsdorff: Ich habe wohl verfassungsrechtliche Bedenken. Aber das hat nichts mit dem Kompromiß zu tun, denn es ist die Pflicht der Bundesregierung wie des Parlaments, in jedem Stadium der Beratungen die verfassungsrechtliche Seite eines Gesetzgebungsvorgangs zu überdenken.

ZEIT: Auf welche Bestimmungen des Gesetzentwurfs beziehen sich Ihre Bedenken?