Der Verfasser war viele Jahre Leiter der Presseabteilung der "Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände" in Köln und arbeitet jetzt beim Zweiten Deutschen Fernsehen.

Ansprachen: Henry Ford II, François-Xavier Ortoli und Hans-Günther Sohl. Festvortrag: Bundespräsident Walter Scheel; Musik: Ludwig van Beethoven, Septett Es-Dur, Opus 20. So hieß es lapidar in der Einladung, die der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) aus Anlaß der 25. Wiederkehr seines Gründungstages (29. Oktober 1949) verschickte. Ort der Handlung: Schauspielhaus zu Köln,

Diese Einladung ist eine Visitenkarte und zeigt deutlicher, als Festschriften es zu tun vermöchten, nach welchen Maximen der Industrieverband in den letzten 25 Jahren seine Geschäfte betrieben hat: mit sehr viel Selbstbewußtsein, bemerkenswerter Unbefangenheit und einer unübersehbaren Öffentlichkeitsferne.

Das "Große" war immer Trumpf. Salon und Bütten wurden bevorzugt. In Köln sprach Henry Ford II für die (westliche) Welt, Ortoli für Europa, Scheel für die Bundesrepublik und Sohl für alle. Das Motto hätte lauten können: Was im letzten Vierteljahrhundert gut war für den BDI, war auch gut für die Bundesrepublik, Westeuropa und die westliche Welt. Die Parallelität zu dem vielzitierten Verhältnis zwischen General Motors und den USA drängt sich auf.

Dieser Ruf der industriellen Spitzenorganisation kam nicht von ungefähr. Der Zufall einer Nachkriegslaune und ein besonderes Unternehmerattribut (selbständig und mittlere Größe) hievte in der Gründerperiode einen unbekannten Mann auf den Präsidentenstuhl des Verbandes: Fritz Berg aus Altena in Westfalen. Die Großindustrie wahrte damals aus vielerlei Gründen Distanz zu so exponierten Positionen. Der Fabrikant aus der Metallindustrie fand schnell Geschmack an der neuen Aufgabe und residierte fortan in Köln. Bis 1972 lenkte Berg die Geschicke des BDI. Immer wieder hoben die Industriellen die kantig-derbe Figur aus dem Westfälischen auf ihren Schild und schätzten seine ehrliche Haut. Manche waren auch begeistert, daß der Präsident nicht müde wurde zu kandidieren und daß auf diese Weise zwanzig Jahre lang kein Nachfolger gesucht werden mußte.

"Ich verstehe nicht, wie die Industrie sich durch einen solchen Mann so lange vertreten lassen kann", sagte in den fünfziger Jahren einmal in kleiner Runde ein benachbartes Arbeitgebervorstandsmitglied, dem die Bergschen Tiraden und Verbalinjurien gegen den "Meister der Marktwirtschaft", Ludwig Erhard, in den Präsidialsitzungen des BDI und bei anderer Gelegenheit fast körperliche Pein bereitet haben.

Das Motiv des Grolls war damals das Bemühen des Bundeswirtschaftsministers, die marktwirtschaftliche Ordnung durch ein weitreichendes Kartellgesetz abzusichern. In dem offiziellen Jubiläumsmaterial des BDI steht unter dem Jahr 1952: "Briefwechsel zwischen Ludwig Erhard und Fritz Berg über die Gestaltung des Wettbewerbsrechts. Der BDI-Präsident betonte im Oktober 1952 die Notwendigkeit unternehmerischer Zusammenarbeit und fordert ihre rechtliche Absicherung."