Die Landtagswahlen in Bayern und Hessen haben der Union großen Erfolg gebracht: Die CSU unter Franz Josef Strauß baute ihre absolute Mehrheit über die bisher in Bayern noch nie erreichte 60-Prozent-Marke aus; die hessische CDU unter Alfred Dregger schaffte es, erstmals stärkste Partei in diesem Bundesland zu werden.

Die Sozialdemokraten mußten in beiden Ländern deutliche Verluste hinnehmen. Die FDP konnte sich in Bayern leidlich behaupten, liegt aber nur noch knapp über der Fünf-Prozent-Grenze; in Hessen ging ihr Stimmenanteil um ein Viertel gegenüber 1970 zurück. Die Splitterparteien hatten an Donau, Rhein und Main keine Chance. Relativ am besten schnitt noch die NPD in Hessen mit einem Prozent der Stimmen (1970: 3,0) ab, vor der DKP mit 0,9 (1,2).

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis sieht das Verhältnis von Stimmen und Mandaten so aus:

  • Bayern: CSU 62,1 Prozent (1970: 56,4); SPD 30,2 (33,3); FDP 5,2 (5,6). Sitzverteilung im Landtag: CSU 132 (124) von 204 Abgeordneten, SPD 64 (70), FDP 8 (10).
  • Hessen: CDU 47,3 Prozent (1970: 39,7); SPD 43,2 (45,9); FDP 7,4 (10,1). Sitzverteilung im Landtag: CDU 53 (46) von 110 Abgeordneten, SPD 49 (53), FDP 8 (11).

Besonders gravierend waren die Einbußen der SPD in den großen Städten. In München, wo es seit langem harte Auseinandersetzungen zwischen gemäßigten und linken Gruppen gibt, gingen alle elf Wahlkreise von der SPD an die CSU über. Die Sozialdemokraten brachten in der Landeshauptstadt keinen einzigen Direktkandidaten durch, auch nicht den Fraktionsvorsitzenden Grabert, der aber auf der Landesliste abgesichert ist. Von den acht Wahlkreisen Frankfurts gewann die CDU sieben.

Die Freien Demokraten verloren in den Städten ebenfalls, verbuchten dagegen leichte Gewinne auf dem Lande, wodurch freilich die Verluste nicht ausgeglichen wurden.

Der bayerische Wahlsieger Franz Josef Strauß sagte am Sonntagabend: "Einen Wahlerfolg dieses Ausmaßes habe ich nicht erwartet." Er ist der Meinung, daß die bewegenden Elemente des Wahlkampfes "die großen Fragen der Bundesrepublik" gewesen seien, und führt den Erdrutsch deshalb einmal auf "die ungeheure Enttäuschung, die aus den Ostverträgen erwachsen ist", zurück, zum anderen darauf, daß Bundeskanzler Schmidt "den Vertrauensrabatt angesichts der sich verschärfenden wirtschaftlichen Krise längst verspielt" habe.