Von Marietta Riederer

Florenz, im Oktober er Andrang der Schaulustigen im PalazzoPitti war so groß, daß die Sala Bianca an Eröffnungsmorgen plötzlich verriegelt wurde; man befürchtete Einsturzgefahr. Der berühmte "Weiße Saal" ist seit 1949 zweimal jährlich Schauplatz der italienischen Mode. Hier wurden einst Namen mit stürmischen Ovationen hochgejubelt, deren Zenit längst überschritten, heute nur noch vom Glanz der Abendröte proftieren. War es früher die Alta Moda, so hat sich jetzt die "Moda Pronta", die hochwertige Modell-Konfektion, den Laufsteg erobert. Immer eine Saison der Alta-Moda voraus, ist sie wegweisend für neue Trends.

Die Mobilität der italienischen Mode, das Welige bis Flatternde der neuen Weite und einer Rocklänge, die die Waden umspielt, entsteht nur durch die Leichtigkeit der Stoffe. Lange Schals, baumelnde Ketten, flatternde Gürtelbänder und Schlitze in weiten Röcken tun das Ihre dazu. Nicht zu vergessen die seitlichen Taschen, die zu Kledem, Röcken, Jacken, Mänteln bis in die Abencmode hinein gehören. Hände in den Taschen, das ist die einzige saloppe Geste einer elegant gewordenen Mode, die ihr aber Pep verleiht.

Kleider mit Raglan- oder Kimonoärmeln erinnern an den Schick von Judojacken. Blusige Lumber, wie von Trainingsanzügen aus Nickistoffen, begleiten, verfeinert durch Steppereien, Weiß auf Weiß, oder in Streifen farblich abschattiert, Röcke und leichte, weite Sommerhosen. Kittel- und Hängerkleider wagen ihren Auftritt hier ohne Gürtel. Ihr bester Moment ist, wenn sie schmiegsam den Körper umspielen, die glockig geschnittenen, halblangen Ärmel diese Bewegung wiederholen und das Ganze aus Quaina-Jersey oder reinseidenem, bedruckten Jersey ist. Auch Polohemden und Marinieren werden verlängert zu praktischen Hemdhängern aus feinem Leinen, werden seitlich geschlitzt und manchmal von Tunnelgürteln auf Taille gebracht.

Die Modefarben Italiens sind verhalten. Marmorweiß, Kitt und Keks sind die beliebtesten Uni- und Fondfarben. Salbei, Olivenblätter bis Jade bestimmen die Grünskala. Vom Weiß bis zum sanften Rot der Korallen, das sich bis zu Lachsrot steigert, verblaßt diese Skala mit Aprikose und Rosenholz, das als ganz neuer Ton auftritt. Das aktuelle Gelb pendelt zwischen Stroh- und Honigfarben. Schwarz mit Weiß steht knapp vor Marine mit Weiß. Zinngrau bis Silbergrau, sowie kosmetisches Rosa und Blau – sehr oft liniiert mit weißen Millimeter-Streifen – sind typisch für die neue, gepflegte Akkuratesse. Zugleich hatten Lavendel, Glyzinien und alle Veilchenfarben wieder einmal ihre große Stunde.

Das geschah, als "Mirsa", berühmt durch seine Strickmode, zu gleicher Zeit 24 Mannequins im Eilschritt über den Laufsteg schickte, in violetten Abstufungen, immer mit Weiß aufgefrischt. Zu musterte Cardigans, während über dem Ganzen ein glockiges Hemd aus Voile wehte, das im zartesten Lila mit weißen Blüten bedruckt war. Fazit: Personifizierter Florentiner Frühling.

Gelockert und gelöchert, transparent wie Spitze oder grober Tüll, das sind neue Eigenschaften der Strickmode. Außer T-Shirts, jenen sichtbar gewordenen Unterhemden, ist alles weiter und blusiger geworden. Rippen jeder Art bis zu Plissee-Imitationen, versetzte Reliefmuster und Matt-Glanz-Effekte verwandeln die Strickmode und verdeutlichen mit ihren Techniken ebenfalls den Wandel der gesamten Mode zur Eleganz.