Die bisherigen Sparmaßnahmen der ARD finde ich skandalös, weil sie die Qualität und die Substanz des Programms beschneiden: 26 Spiel- und Unterhaltungstermine werden durch Wiederholungen ersetzt, die Rate der Spielfilmwiederholungen wird auf 30 Prozent verdoppelt, am Wochenende fängt das Programm später an und hört früher auf; Jugend-, Kultur-, Service- und Sportsendungen sollen verkürzt, der Hörfunk und die Dritten Fernsehprogramme drastisch reduziert werden. Bringt das alles wirklich etwas ein, oder bleibt das reines Schausparen? Da wird doch ein enormer Produktionsapparat nur lahmgelegt, kostet aber weiterhin Geld.

ROHRBACH: Die Intendanten haben das verständliche Bedürfnis, der Öffentlichkeit zu demonstrieren, daß die Kritik an den Fernsehanstalten sie nicht unberührt gelassen hat. Insofern ist ein solcher Vorgang plausibel. Andererseits ist es für einen Programm-Macher schwer einzusehen, daß von dem großen Feld möglicher Maßnahmen ausgerechnet das Programm zuerst betroffen wird – und darin der für die Zuschauer attraktivste Teil: Spielfilm, Fernsehspiel, Unterhaltung. Es fragt sich, ob es rundfunkpolitisch nicht außerordentlich fatal ist, das Programm zunächst auszudünnen und dann für dieses schlechtere Programm auch noch mehr Geld zu fordern. Meine Sorge ist, daß die Zuschauer immer verdrossener und immer weniger bereit sein werden, den Wünschen nach mehr Gebühren Entgegenkommen zu zeigen.

Im übrigen bezweifele ich mit Ihnen die Wirkung dieser Sparmaßnahmen. Sicher wird im Bereich der direkten Kosten einiges Geld eingespart, aber vor allem sind es die Honorare und Gagen der freien Mitarbeiter, also derjenigen, die das Programm bisher zum großen Teil gemacht haben, die für die Öffentlichkeit das Fernsehen repräsentieren, die aber angesichts der gesellschaftlichen Machtverhältnisse die schwächste Gruppe sind. Während also hier gespart wird, entstehen im Bereich der Produktionsmittel noch kaum überschaubare Auslastungsverluste. Denndie Studios, die Werkstätten, die Schneideräume, die Büros, sie alle bleiben ja bestehen, das festangestellte Personal bleibt dasselbe – im Gegenteil, die durch die Programmeinschränkungen verängstigten freien Mitarbeiter werden mehr noch als bisher versuchen, über die Arbeitsgerichte die Festanstellung zu erwirken. Es wird also mehr Redakteure, mehr Produktionsmitarbeiter für weniger Programm geben. Die Differenz zwischen Aufwand und dem, was mit diesem Aufwand an Programm noch hergestellt wird, wird immer größer.

Im neuen ARD-Jahrbuch hat Hans-Joachim Lange das Gezeter über die Stargagen entmystifiziert: Galas, Tourneen, Platten bringen den Stars viel mehr, sagt er, und die Opernhäuser zahlten viel höhere Gagen.

ROHRBACH: Tatsache ist, daß noch Anfang der sechziger Jahre im Kino Gagen bis zu 500 000 Mark an Spitzenstars gezahlt wurden, daß aber zur gleichen Zeit das Fernsehen seine Gagen auf 10 000 Mark für Hauptrollen limitiert hatte. Diese Gage für eine Hauptrolle in einem Film, an dem sechs bis sieben Wochen gedreht wird, wurde inzwischen mit Rücksicht auf die allgemeine Kostensteigerung auf 15 000 Mark heraufgesetzt.

Ein Regisseur bekommt heute für einen Film, an dem er etwa drei bis vier Monate arbeitet, bis zu 21 000 Mark, ein Autor für ein Drehbuch, an dem er mindestens ebenso lange arbeitet, bis zu 23 000 Mark. Wolfgang Menge hat für das "Millionenspiel", zweifellos das erfolgreichste Fernsehspiel der letzten Jahre, ein Honorar von 15 000 Mark erhalten, bei der Wiederholung die gleiche Gage noch einmal. Insgesamt hat er also für die Arbeit eines halben Jahres 30 000 Mark verdient. Bei einem ähnlichen Erfolg im Theater oder in der Literatur hätte er das Mehrfache dieser Summe bekommen. Diese Mitarbeiter haben keine soziale Sicherheit, keinen Pensionsanspruch, nicht einmal die Gewißheit, daß sie wieder einen Auftrag erhalten. Wolfgang Staudte hat die frustrierende Situation der Regisseure beim Fernsehen so charakterisiert: "Für besondere Erfolge gibt es nur eine einzige Entlohnung, das ist die der Wiederbeschäftigung." Es muß uns beunruhigen, wenn die ökonomische Attraktivität dieser Berufe so gering wird.

Die Skandalisierung des Gagenthemas hat im wesentlichen an einer ganz kleinen Zahl von Stars stattgefunden: Peter Alexander, Hans Joachim Kuhlenkampff, Anneliese Rothenberger, Heinz Rühmann. Dazu ist zweierlei zu sagen: Einmal hat in den sechziger Jahren, als es für das ZDF galt, erst einmal einen Durchbruch zu erzielen, ein nicht unproblematischer Konkurrenzkampf stattgefunden, der Auswirkungen hatte auf die Gagen bestimmter Stars. Aber andererseits muß man doch in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt berücksichtigen, daß ein Entertainer, der das Programm eines Abends praktisch allein gestaltet, das Recht hat, für die Arbeit von vier Wochen und mehr soviel Geld zu erwarten, wie ein Arzt oder ein Rechtsanwalt in einer gut gehenden Großstadtpraxis auch verdient. Man mag zu Peter Alexander stehen, wie man will: Es gibt ihn nur einmal im deutschsprachigen Raum.