Ich halte nichts von einer Literatur der kleinen Schritte, ich halte nichts davon, wenn einer einen Roman schreibt, nur um zu beweisen, daß in einem Betrieb ein Betriebsrat eingestellt werden muß, denn um das zu beweisen, braucht man keinen Roman zu schreiben.

Hans-Christoph Buch beim Realismus-Symposion des Steirischen Herbstes in Graz

Der geile Wotan – beschlagnahmt

München, Hauptstadt der deutschen Filmzensur, hat wieder einmal für Sauberkeit gesorgt. Diesmal beschlagnahmten die bei der Suche nach möglicher Unzucht offenbar nimmermüden Münchner Staatsanwälte zwei Klassiker des anarchischen Kinos: die Filme "Der geile Wotan" und "Sodoma", die der Wiener Aktionskünstler Otto Muehl schon 1968 drehte und die seitdem zahllose Male, in München, in Paris und anderswo, aufgeführt wurden. Der Veranstalter der Münchener Vorführung, Karlheinz Hein vom "Undependent-Film-Center", bekam zu spüren, wie handgreiflich man in Bayerns Landeshauptstadt Kinopolitik betreibt: Er wurde aufs Polizeipräsidium verfrachtet und mußte dort seine Fingerabdrücke hinterlassen. Einen Kommentar zu den Münchner Vorgängen gibt es schon: "Wenn ich ausgelassen sein will und die Sentimentalität der unterdrückten Geilheit verspotte, ist es mir sauwurscht, ob dadurch Millionen deutscher Gemüter verletzt werden. Schon deswegen, weil ich diese verlogene, miserable Moral als die hundsgemeinste Erscheinung des jüngeren Deutschlands recht herzlich verachte." Dies schrieb ein Landsmann der bayerischen Staatsanwälte: Ludwig Thoma. Thoma starb 1921.

Unsere Intendanten

Wer derzeit in diesem Land Schauspiel-Intendant werden will, darf eines bestimmt nicht sein: ein Mann mit auffälligen Eigenschaften. Gefragt ist und Erfolg hat bei dem nie endenden Karrierekampf vor allem der Typus des braven Verwalters, des flinken Funktionärs. Wenn nun demnächst der quicke Günther Beelitz (bisher Darmstadt) das Düsseldorfer Schauspielhaus übernehmen wird, Hanno Lunin (bisher Thalia Theater Hamburg) Generalintendant in Wuppertal wird, dann verrät das die gegenwärtige Strategie fast aller Theaterpolitik: ein Theater zu subventionieren, das fleißig und still seine Arbeit tut, das einem möglichst alle Konflikte erspart. Neben den vielen trüben Theaternachrichten gibt es auch eine tröstliche: Giorgio Strehler, der in den letzten Jahren auf beängstigende Weise den Verlockungen des deutschen Staats- und Startheaters verfallen ist, hat seine dubiose Verbindung mit den Salzburger Festspielen gelöst; und er will auch nicht Direktor am Wiener Burgtheater werden. Also muß die Burg weiter nach einem neuen Theaterleiter, nach einem Nachfolger für Gerhard Klingenberg (demnächst Zürich) suchen. Boy Gobert nämlich, von Wien wie von Düsseldorf umworben, wird nun doch in Hamburg bleiben – bei seinem bei unserem Thalia Theater.

Küchenschaben und Großfeuer