"Die Entwicklung allseitiger Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik ist eine prinzipielle und langfristige Entscheidung der sowjetischen Politik." Dies versicherte der sowjetische KP-Chef Breschnjew am Dienstag durch den Regierungssprecher Samjatin der Bonner Regierungsdelegation. Bundeskanzler Schmidt und Außenminister Genscher waren am Wochenbeginn zu einem viertägigen Besuch in Moskau eingetroffen.

Im Mittelpunkt der Gespräche stand von Anfang an das Bemühen Schmidts und Genschers, Westberlin in die sieben noch offenen deutsch-sowjetischen Abkommen einzubeziehen. Regierungssprecher Bölling äußerte die Vermutung, daß der Bau eines Atomkraftwerkes im ehemaligen Königsberg und die Verklammerung Westberlins in einen west-östlichen Stromverbund befriedigend gelöst werden können.

Obwohl Breschnjew sich am ersten Abend in einer Tischrede gegen Versuche gewandt hatte, "in der Westberlin-Frage Hindernisse für eine Verständigung zu schaffen", nannte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, von Pachelbel, das Gesprächsklima sachlich, nüchtern und freundschaftlich.

Am Rande dieser Sitzungen unterzeichneten deutsche und sowjetische Firmen am Dienstag das dritte Erdgas-Röhren-Abkommen. Für Großrohre der Firmen Mannesmann und Thyssen im Wert von 1,5 Milliarden Mark liefert die Sowjetunion ab 1978 jährlich 2,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

Unmittelbar vor Schmidts und Genschers Moskauflug hatte die DDR die Bundesrepublik und Westberlin mit einer Teilrücknahme des erhöhten Zwangsumtauschs überrascht. Ein Jahr nach der Verdoppelung der Umtauschgebühren wurde der Satz für DDR-Reisen von 20 auf 13 Mark pro Person und Tag ermäßigt, bei Tagesaufenthalten in Ostberlin von 10 auf 6,50 Mark. Kinder bis zu 16 Jahren sind jetzt wieder – wie früher – vom Umtausch befreit, nicht aber Rentner.

Besonders aus diesem Grunde ließ die Bundesregierung ihren Ständigen Beauftragten Gaus in Ostberlin darauf dringen, daß "die Substanz der bis zum November 1973 gültigen Regelung wiederhergestellt" werde, wenn auch Bonn und Westberlin übereinstimmend anerkannten, daß ein "wichtiger Schritt auf dem richtigen Wege" getan sei.