Die Hamburger Wohngemeinschaft Steilshoop zieht Bilanz: Das Experiment hat sich gelohnt

Von Ulrich Schmidt

Der Rummel um die Wohnkommunen\ hat sich gelegt. An die Stelle der Begeisterung von links und des Argwohns von rechts sind nüchterne Einschätzung und praktikable Lösungen getreten. Längst gibt es in jeder größeren Stadt und vereinzelt auch auf dem Lande Wohngemeinschaften. Und in Hamburg existiert seit nunmehr einem Jahr eine Super-Wohngruppe, genauer: eine Gemeinschaft von Wohngemeinschaften, wie sie bisher in Europa einzigartig ist.

Originell wie der Standort – mitten in der beton-starren Großsiedlung Steilshoop (Endausbau: 24 000 Einwohner) – ist auch das Verfahren: 37 Familien und Wohngruppen, insgesamt 210 Personen, haben einen ganzen Block, vier Hausnummern lang und sieben Geschosse hoch, in gemeinsamer Planung mit den Architekten so aufgeteilt, daß sie Wohnungen nach Maß erhielten und in einer Art Dorfgemeinschaft gesellig miteinander leben können.

Der Architekt Rolf Spille hat sich dieses "Wohnmodell Steilshoop" ausgedacht, um mit ihm die "Verkrustung des Wohnstumpfsinns" aufzubrechen. Der Hamburger Bausenator fand den Plan förderungswürdig, und die Wohnungsbaugesellschaft Saga stellte den Block bereit.

Zunächst schien es fraglich, ob die sehr verschiedenen Interessenten unter einen Hut zu bekommen sein würden: Kinderreiche und Ein-Kind-Familien, befreundete Paare, alleinstehende Mütter, Junge-Leute-Gruppen von Studenten oder Werktätigen, je eine Gruppe von Haftentlassenen und ehemaligen Psychatriepatienten. Ebenso bunt ist die Liste der Berufe: Lehrer, Kindergärtnerinnen, Krankenschwestern, Ärzte, Juristen, Kaufleute, Handwerker, Sekretärinnen, Sozialarbeiter, Psychologen. Und eine Schiffsmaklerin ist auch dabei.

Es war ein abenteuerliches Unternehmen. Auch von der Baugestaltung her. In seinem Ur-Grundriß hat der Architekt die tragenden Wände so angelegt, daß 75 Meter lange Korridorfluchten und entsprechend große Wohnungen möglich sind. Alle übrigen Wände wurden nach Wunsch der Mieter gezogen. "Überflüssig gewordene Wände", sagt Architekt Spille, "können herausgesägt, neue nachträglich eingesetzt werden."