Von Heinz Michaels

Am Freitag letzter Woche kam der deus ex machina, der Retter in der Not: Bei Helmut Weygandt, dem Allein-Geschäftsführer der Deutschen Verlags-Anstalt, meldeten sich die Herren Horst Frank von der Robert Bosch GmbH und Dietrich Schäfer von der "Schwäbischen Treuhand" als Generalbevollmächtigte der Eigentümer.

Die beiden Herren sollen, so verbreitete am Freitagnachmittag die Pressestelle des Bosch-Konzerns in Stuttgart, "unverzüglich in die Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse der DVA eintreten und einen Plan für die zukünftige Gestaltung des Unternehmens erarbeiten".

Erleichtert quittierte Karl Holzmann von der IG Druck und Papier das Fernschreiben: "Endlich, auf diese Nachricht haben wir schon lange gewartet." Noch einen Tag zuvor hatte Lothar Pleithner, Landesbezirksvorsitzender der IG Druck, eine weitere Eskalation der Auseinandersetzungen um die DVA vorausgesagt und Solicaritätsmaßnahmen in anderen Betrieben der Druckindustrie nicht ausgeschlossen.

Zu den Auseinandersetzungen um das renommierte, vor 126 Jahren gegründete Unternehmen war es gekommen, nachdem Geschäftsführer Weygandt den rund 750 Beschäftigten am 21. Oktober in einer kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung mitgeteilt hatte, daß etwa 400 von ihnen zum Jahresende ihren Arbeitsplatz verlieren sollten. Wegen steigender Kosten und steigender Verluste, so Weygandt, müssen der technische Betrieb geschlossen und Einschränkungen im Verwaltungs- und Verlagsbereich vorgenommen werden.

In Stuttgart galt die DVA bis dahin als ein grundsolides Unternehmen und als sicherer Arbeitsplatz. Das lag nicht zuletzt daran, daß 80 Prozent der Gesellschafteranteile bei der Familie Bosch liegen. Seit der 1942 verstorbene Robert Bosch als einer der ersten Unternehmer in Deutschland freiwillig den Acht-Stunden-Tag einführte und später seinen Industriebesitz zum größten Teil in gemeinnützige Stiftungen einbrachte, hat der Name Bosch in Stuttgart eine besondere soziale Reputation.

Der an sich verständliche Beschluß der Bosch-Familie, bei der DVA eine Verlustquelle durch Stillegung des technischen Betriebs zu stopfen, stieß daher in der Öffentlichkeit auf ein lebhaftes Echo. Und er geriet ins Zwielicht, als 14 leitende Angestellte in einer Petition an das "soziale Gewissen der Familie Bosch" appellierten und Geschäftsführer Weygandt vorwarfen: "Die geplanten Maßnahmen zur Schließung des technischen Betriebes gehen von Voraussetzungen aus, die zweifelhaft sind."