Mit einer noch größeren Mehrheit als bisher ziehen die Demokraten in den 94. Kongreß der Vereinigten Staaten ein. Bei den Ergänzungswahlen vom Dienstag konnten sie wesentliche Stimmengewinne erzielen. Schon wenige Stunden nach Beginn der Auszählung hatten sie ihre absolute Mehrheit im Senat wiedergewonnen und ihre Majorität im Repräsentantenhaus ausgebaut.

Ferner mußten in mindestens sechs Staaten Gouverneure der Republikanischen Partei ihren demokratischen Konkurrenten weichen. Spektakulärster Erfolg auf dieser Ebene ist der Machtwechsel in New York. Nach sechzehnjähriger Vorherrschaft der Republikaner schlug der Demokrat Hugh Caray den Rockefeller-Nachfolger Malcolm Wilson.

Zur Wahl standen alle 435 Mandate des Repräsentantenhauses, 34 von hundert Sitzen im Senat und 35 von 50 Gouverneuren. Im Repräsentantenhaus hatten die Demokraten bisher eine Mehrheit von 248:187. Schon am Mittwochmorgen stand fest, daß sich dieses Verhältnis um mindestens weitere 15 Mandate zugunsten der Demokraten verschieben würde. Im Senat lautete die Sitzverteilung: 58 Demokraten, 42 Republikaner. Auf halbem Wege der Auszählung hatten die Demokraten drei Sitze dazugewonnen.

Das Wahlergebnis dürfte damit zu einer persönlichen Niederlage für Präsident Ford werden, auch wenn es Tradition ist, daß bei den Kongreßwahlen in der Mitte zwischen zwei Präsidentschaftswahlen jene Partei dominiert, die nicht den Präsidenten stellt – in diesem Fall also die Demokraten. Diesmal scheinen die Erfolge der "Opposition" aber höher auszufallen als gewohnt.

Ford steht unter der Belastung der von ihm nicht verschuldeten Watergate-Affäre; hinzu kommt jedoch ein landesweites Unbehagen über die Nixon-Amnestie von Seiten Fords. Außerdem haben die hohe Inflationsrate und die Angst vor einer Rezession eine Rolle gespielt.