Fiat schlug zu, wo Wolfsburgs Nordhoff seinerzeit die kalte Schulter zeigte: in Polen, der Sowjetunion und Jugoslawien. Längst laufen im Osten Fiat-Automobile in bedeutenden Zahlen vom Band. Eines davon – den Zastava 1100 als gescheit abgewandelter 128 – hat Hat sogar in sein hiesiges Vertriebsprogramm aufgenommen. Andere machen den Turiner Originalen Konkurrenz – bislang allerdings nur mit mäßigem Erfolg.

Mit dem Lada 1200 aus der Sowjetunion könnte dies anders werden. 1970 begann in Togliattigrad an der Wolga die Produktion des Fiat-Modells 124 in einem auch nach westlichen Maßstäben gigantischen Werk. 1973 wurden nach offiziellen Angaben eine Million gebaut, fünfmal soviel wie vom Moskwitsch, dem früheren Spitzenreiter. Seit 1972 wird der Ost-124 in den Westen exportiert, zuerst unter dem Namen "Shiguli", heute als "Lada 1200". Deutscher Importeur ist die Satra GmbH in Neu-Wulmstorf bei Hamburg.

Mit einem Lada fällt man hier überhaupt nicht auf: Es ist äußerlich ein Fiat 124 (der in Italien gerade durch das Modell 131 ersetzt wurde). Unter dem Blech freilich wandelte sich einiges. So hat der Lada einen Motor, der zwar 1200 ccm und 60 PS aufweist wie der 124, der aber mit einem anderen Aggregat (obenliegende Nockenwelle und kürzerer Hub) ausgestattet ist. (Zuerst gab es den Wagen übrigens mit 62 PS, für uns sehr ungünstig, weil bei 60 PS eine Versicherungsstufe liegt.) Mit seinen 60 PS erreicht der Lada 141 km/st Spitze, Tempo 100 wird aus dem Stand nach knapp 20 Sekunden erreicht. Als Besonderheit gibt es am Motor einen "Oktanzahl-Korrektor", mit dem sich die Zündung bei schlechter. Benzinqualität zurückstellen läßt.

Die Sitz- und Sichtverhältnisse entsprechen dem Fiat 124, vier Türen gibt es serienmäßig. Die Anordnung der Bedienungshebel hat sich allerdings seit acht Jahren nicht geändert: Sie liegen weit vorn am Armaturenbrett und lassen sich vom Fahrer, wenn er straff angeschnallt ist, nur schwer erreichen. Den Sitzen (nur mit Kunststoffbezug) fehlt es an Seitenführung. Verbessert gegenüber dem Original wurde wieder der Fahrkomfort, wichtig bei schlechten Straßenverhältnissen. Der Lada ist 60 kg schwerer als der 124 (960 kg) – das meiste Gewicht steckt in Verstärkungen der Bodengruppe.

In der Bundesrepublik interessiert der Lada vor allem wegen seines Preises: 6950 Mark für die Limousine, 7750 Mark für den (viertürigen) Kombi. Das ist ausgesprochen wenig – schon ein Käfer 1303 kostet heute ohne alle Zutaten 8000 Mark. Freilich muß man sich bei dem Sowjet-Auto damit abfinden, daß es nur von etwa 120 Händlern im Bundesgebiet vertrieben wird. Dafür erhält man sehr ordentliches Werkzeug für eigene Betätigungen, außerdem können oftmals Fiat-Händler helfen: 60 Prozent der Originalteile passen (allerdings nicht beim Motor).

Bis August 1975 will Satra 5000 Ladas auf die bundesdeutschen Straßen gebracht haben, bis jetzt sind es rund 1000. Es scheint, als hätte das Sowjet-Auto durchaus Chancen.

Stefan Woltereck