Von Rainer Frenkel

Die Erläuterung des Unfaßlichen klingt etwa so plausibel, als hätte 1918 der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II, sein Exil mit einer besonderen Vorliebe für Holland erklärt. Alfons Müller-Wipperfürth zum überraschenden Rückzug aus dem Management seiner deutschen Gesellschaften in die belgische Konzernzentrale: "Ich will mich mehr ums Ausland kümmern."

Dazu freilich, daß er bald auch den Mehrheitseinfluß auf seine inländischen Unternehmen verlieren wird, mag sich der Massen-Anbieter preiswerter Oberbekleidung für Knaben und Herren überhaupt nicht äußern. "Es sind noch nicht alle Entscheidungen gefallen." Die gleiche Begründung benutzt – neben einem Verweis auf das Bankgeheimnis – Joachim Adrian als Ausflucht. Adrian ist Chef des Aufsichtsrates beim "Hosen-König" und Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Investitions- und Handelsbank (IHB), die seit Jahren knapp die Hälfte der Aktien der Müller-Wipperfürth AG in Leichlingen besitzt.

Da nun die Beteiligten auf diese Weise "mauern", ist ein klarer Einblicke in die augenblicklichen Geschehnisse um Alfonds Müller, der seinen Namen um das Signum "Wipperfürth.", die Stadt seiner frühesten Erfolge, bereichert hat, Stadt möglich,

Sicher ist: Müller hat kürzlich erst die Alleinherrschaft bei vielen seiner Unternehmen Alleingeben, ist aus den Vorständen der deutschen Gruppe ausgeschieden und als stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat der Leichlinger Hauptgesellschaft übergewechselt.

Sicher ist ferner: Die IHB führt für sich oder die Rechnung anderer "Gespräche" – so der von die Bamberger Greiff Werken gekommene Müller-Wipperfürth-Vorstand Oscar Jacob – um die 51 Prozent der Leichlinger Gesellschaft, die ihr nicht gehören, oder Teile davon. Daß die IHB bereits die Mehrheit besitzt, glaubt Jacob nicht.

Weniger sicher ist schon, wem die Mehrheit wirklich gehört oder bisher gehört hat. Darüber schweigen sich die Wissenden aus. Es sind "Alfons Müller nahestehende schweizerische Banckreise", so mutmaßt Jacob unbestimmt. Müller selbst spricht seit Jahren unverdrossen von "mehreren Aktionären". Die ominösen "Kreise" sind vermutlich aus Steuergründen eingerichtete schweizerische Holdings, die – ebenfalls aus steuerlichen Gründen – mit einem gewissen Eigenleben versehen sind.