Wir werden uns an die Vorstellung, daß Franz Josef Strauß 1976 Bundeskanzler werden kann, wohl gewöhnen müssen. Es könnte aber Menschen geben, die sich damit etwas schwer tun. Für sie hat Prof. Goebel in seinem Sanatorium, wo sich sonst Raucher das Rauchen und Alkoholiker das Trinken abgewöhnen sollen, eine eigene Abteilung eingerichtet.

Prof. Goebel und ich schritten durch die Gänge des Sanatoriums. Hinter einer Tür schrie eine Frau herzzerreißend: "Abstellen, abstellen..." Eine allgemein bekannte Stimme sprach lautstark markige Sätze zu einer begeisterten Zuhörermenge.

"Vilshofen", erläuterte Prof. Goebel, und stellte das Tonband ab, "das ist unsere Schocktherapie. Zur Beruhigung werde ich dieser Patientin ein paar Baby-Dias von Strauß vorschreiben."

Wir gingen weiter. Hinter einer anderen Tür hörten wir ein Stöhnen. "Dieser Patient verträgt nur eine ganz behutsame Behandlung", sagte Prof. Goebel. Als wir das Zimmer betraten, sahen wir einen Mann, der auf eine Leinwand starrte. Dort sah man den Strauß vom Herbst 1974: bedächtig, staatsmännisch, gesammelte Kraft.

"Den kriegen wir noch hin", meinte mein Begleiter.

Nun öffnete er die Tür zu einem großen Raum. Er war voll von Patienten. "Gruppentherapie", sagte der Professor. Die Patienten waren von lauter Bildschirmen umringt. Auf allen Bildschirmen erkannte ich Köpcke, der gerade die Nachrichten las. Man hörte aber immer nur einen Satz: "Bundeskanzler Strauß hat heute in Bonn seine Amtsgeschäfte aufgenommen, Bundeskanzler Strauß hat heute..." Die Teilnehmer der Gruppentherapie machten einen ziemlich apathischen Eindruck.

"Sie sehen, bei denen schlägt die Kur schon ganz gut an", sagte der Professor, nicht ohne Stolz.