Die Wahlen in Amerika haben den erwarteten Erfolg der Demokratischen Partei gebracht. Bei diesem ersten Urnengang nach Watergate hatten sie gleich zwei Vorteile: Zum einen profitierten die Demokraten von dem traditionellen Bonus der Opposition bei Zwischenwahlen, zum anderen schlugen die Verbitterung und Enttäuschung über den Republikaner Nixon für sie voll zu Buche. Stimmenzuwachs im ganzen Lande und spektakuläre Siege, wie beispielsweise bei der Gouverneurswahl in New York, sind die Folge.

Wenn es eines Beweises für die Wechselhaftigkeit politischen Glücks bedurft hätte, dann hat ihn diese Wahl erbracht: Die Demokraten, die noch bei der letzten Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren eine verheerende Schlappe hinnehmen mußten, stehen jetzt glänzend da. Die Roosevelt-Koalition der ethnischen Minderheiten, Gewerkschaftsmitglieder und des progressiven Bürgertums, die so lange demokratische Siege garantierte, funktioniert wieder. Die Republikaner hingegen haben einen furchtbaren Rückschlag hinnehmen müssen. Sie drohen zu einer Minderheitspartei zu werden.

Im Ringen um die Aufrechterhaltung der Gewaltenteilung in Amerika bedeuten die Wahlen einen Sieg für die Legislative; nach der Beschneidung der Präsidentenmacht im Gefolge von Watergate nun auch noch eine überstarke Opposition auf dem Kapitol. Präsident Ford steht vor großen Problemen. Amerika wird noch schwerer zu regieren sein. D. B.