Von Heinz Michaels

Er spricht mit sanfter Stimme, die Augen hinter leicht getönten randlosen Brillengläsern. Er äußert sich optimistisch, und der Optimismus wirkt keineswegs aufgesetzt: "Das Auto hat eine Zukunft", sagt Bernhard Osswald, Entwicklungschef bei den Bayerischen Motoren Werken. "Es wird auch weiter entwickelt werden und sich verändern. Doch die Veränderungen werden nicht mehr so augenfällig sein."

Kurz: Ein Sprung, wie er in der Automobilentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg stattfand, wird sich in den vor uns liegenden Jahrzehnten kaum wiederholen: Der BMW des Jahres 1990 wird sich vom heutigen weniger unterscheiden als der BMW 2500 von einem Typ der dreißiger Jahre.

Techniker müssen wohl Optimisten sein, wenn sie Erfolg haben wollen (und sie dürfen nicht nur den Berufsoptimismus zeigen, wie er heute in den Vorstandsetagen der Autofirmen spürbar ist). Osswald wie auch sein Kollege Karlheinz Radermacher begründen ihn auch rational mit ökonomischen und technischen Argumenten: In das "Verkehrssystem Auto" sind in der Bundesrepublik heute grob geschätzt tausend Milliarden Mark investiert – das sieben- bis achtfache eines Bundeshaushaltes –, und es würde wahrscheinlich ebensoviel Geld erfordern, es durch ein neues System zu ersetzen; zudem wäre es technisch eine Generationenaufgabe, ein solches System aufzubauen.

"Es wird", sagt Bernhard Osswald ganz leidenschaftslos, "manches geändert werden müssen. Aber wir müssen alles auf das Vernünftige, auf das Machbare ausrichten." Wir werden also weiter mit dem Auto leben, und wie das aussehen wird, dafür stellt bei BMW das Duo Osswald-Radermacher die Weichen.

Die Zwillingskonstruktion an der Spitze des Entwicklungsbereichs bei BMW könnte ihre Begründung aus der Regierungserklärung von Bundeskanzler Helmut Schmidt entnommen haben: Kontinuität. Der promovierte Ingenieur Karlheinz Radermacher, 43 Jahre alt, kam vor gut einem Jahr als stellvertretendes Vorstandsmitglied in das "Vier-Zylinder-Haus" – wie der Münchner Volksmund das neue BMW-Verwaltungsgebäude wegen seiner eigenwilligen Form getauft hat –, damit kein Bruch entsteht, wenn der heute 62jährige Entwicklungschef Osswald sich in einigen Jahren ins Privatleben zurückzieht.

Als quicker Typ mit einer gelegentlich überquellenden Beredsamkeit ist Radermacherein Kontrapunkt zu dem ruhigen und gelassenen Schwaben, der mit seinem schwäbischen Akzent sprachlich in der Bayern-Metropole ebenso ein Fremdling blieb wie zwölf Jahre lang in der Rhein-Metropole Köln. Auch dort bei den Ford-Werken predigte er Vernunft, die dann sogar Eingang fand in den Werbeslogan "Linie der Vernunft", jenes erfolgreiche Ford-Auto, das Osswald als Konstruktionsleiter mit aus der Taufe hob und das die Erfolgsepoche des Kölner Werkes der sechziger Jahre einleitete.