Gerade als die weltweite Zinssenkung den Aktienmärkten wieder etwas Zuversicht beschert hatte, traf aus dem Nahen Osten eine kalte Dusche ein. Die arabischen Drohungen mit einem neuen Krieg und mit dem Absperren des Ölhahnes "auch für unsere Freunde" erinnerte die Börsianer daran, daß die Energieversorgung nicht nur ein noch ungelöstes Finanzproblem, sondern obendrein noch ein heißes politisches Problem darstellt.

Mit der Gründung "nationaler" Gesellschaften, wie es jetzt in der Bundesrepublik mit dem Zusammenschluß von Veba und Gelsenberg versucht wird, ist es nicht getan. Wenn auch der neuerliche Niedergang des Veba- und Gelsenberg-Kurses gegenwärtig markttechnische Ursachen hat, so zeigt die geringe Nachfrage nach Veba-Aktien, daß die privaten Anleger der Nützlichkeit eines stärkeren Engagements der Veba auf dem Mineralölsektor mißtrauen. Der Gelsenberg-Kurs fiel auf den tiefsten dieses Jahres zurück.

Wer gedacht hatte, mit dem Energieplan der Bundesregierung würde sich die Nachfrage nach Aktien deutscher Stromversorger beleben, sieht sich getäuscht. Zwar weiß jeder, daß die Unternehmen zur Erfüllung ihrer Versorgungsaufgaben auch Eigenkapital brauchen, das nur durch entsprechende Dividenden angelockt werden kann. Noch fehlt es aber an der Bereitschaft der politischen Instanzen, Strompreise zu verordnen, die eine angemessene Rendite des Eigenkapitals ermöglichen. So lange sie nicht vorhanden ist, werden die Versorgungsaktien im Keller bleiben.

K. W.