Der Bootsmann Eggers ist Ostfriese, Jahrgang 1941, Sohn eines Zöllners. Glatter Lebenslauf – wie Hartung und Adler. "Einfach strukturiert", schildert ihn der Sachverständige Dr. Heinrich Engeln. Den Alkoholkonsum führt er in keinem Augenblick als Entschuldigungsgrund für die Tat an. Man habe, so belehrt er in seiner stockenden und schwerfälligen Art im kühlen Schwurgerichtssaal die Norddeutschen, im tropischen Klima eben immer Durst.

Eggers ist bald nach der Tat, noch in der gleichen Nacht, von seinem schlechten Gewissen übermannt worden. Dem Elektriker Hansen hat er gestanden, daß die von Hartung aufgebrachte Unfallversion, nach der der "Blinde" Hartung angegriffen habe und dann bei Hartungs Gegenwehr gestürzt sei, nicht stimmte. Ein Motiv für die Tat kann Eggers so wenig nennen wie seine Mitangeklagten.

Die meisten Probleme gibt der Angeklagte Härtung auf. Der intelligente 42jährige ist der Sohn eines Oberbeamten aus Hannover. Er besuchte das Gymnasium bis zur mittleren Reife. Er ist seit 24 Jahren Seemann. Sein 15 Jahre alter Sohn hat einen Selbstmordversuch unternommen, als er von der Tat des Vaters las. Auf der "Margitta", die ihm nun zum Verhängnis wurde, hat Hartung seit Juni 1973 als "Erster" gearbeitet.

Kapitän Anders spricht lobend über seinen ehemaligen "Ersten", er konnte sich auf ihn verlassen. Hatte Hartung Schwierigkeiten im Umgang mit der farbigen Besatzung? Da zögert der Kapitän mit der Antwort, versichert, er selbst sei besser mit den Farbigen fertig geworden als Hartung. Rassenhaß bei Hartung? Nein, schwächt der Kapitan ab, und dann nach einer Pause: "Er war vielleicht ein bißchen rassistisch."

Drei haben sich zu einer Untat getroffen – der gehorsame Adler, der unbekümmerte Eggers, der tüchtige Hartung. Sie haben in einer Wohn- und Arbeitsgemeinschaft, die Aggressionen auf engstem Raum staut, einen Menschen umgebracht. Rechtsanwalt von Döllen fragte deshalb den Psychiater am Abend des dritten Tages, ob dies eine Gruppentat war. Der Gutachter räumt das ein. Keiner von ihnen hätte allein einen Mord oder einen Totschlag begangen.

Auf dem Flur des Bremer Gerichtshauses vor dem Schwurgerichtssaal sagt der Psychiater Dr. Engeln: "Die Drei werden wir nie wiedersehen. Sie sind keine Kriminelle, sie werden nie wieder vor Gericht auftauchen." Bevor sie nie wieder auftauchen, müssen zwei von ihnen vielleicht lebenslang ins Gefängnis.