Von Hermann Bößenecker

Werner Blohm, Geschäftsführer der Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB), 47 Jahre alt und Sproß einer prominenten Hamburger Schiffbau- und Flugzeugbaufamilie, kämpfte bis zuletzt. Doch dann, als die Entscheidung gefallen war und der Aufsichtsrat von MBB mit großer Mehrheit für die Abberufung Blohms als Leiter des Unternehmensbereichs "Hamburger Flugzeugbau" votiert hatte, bewies er Loyalität.

Ein lakonisches "Raten Sie mal" ist seine einzige Äußerung auf die Frage nach Meinungsverschiedenheiten innerhalb der MBB-Geschäftsführung. In seinen Worten schwingt Bitterkeit und Resignation mit, doch über seine Lippen kommt kein Wort der Klage oder der Kritik.

"Da müssen Sie den Vorsitzenden des Aufsichtsrats fragen", ist alles, was Blohm über die Hintergründe der neuesten Affäre im Management von MBB sagt. Erst kürzlich war es bei dem Ottobrunner Unternehmen zum Eklat wegen der geplanten Berufung des ehemaligen Krupp-Managers Jürgen Krackow in die Geschäftsführung gekommen; Krackow verzichtete. Vorher hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Schott sein Mandat zurückgegeben. Und nun Werner Blohm, dessen Familie 22 Prozent der Anteile von MBB besitzt und daher zwei Vertreter in den Aufsichtsrat entsendet.

Aufsichtsratsvorsitzender Hans Peter, Präsident der staatlichen Bayerischen Landesanstalt für Aufbaufinanzierung, hat offenbar lange mit Blohm gerungen, als es darum ging, die Entscheidung des Aufsichtsrats in einer delikaten Form publik zu machen. Nur "auf Anfrage" wurden Journalisten dann mit einem Sechszeilen-Kommuniqué abgespeist, in dem der Name Blohms gar nicht auftaucht: "Der Aufsichtsrat der Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH hat die Durchführung von Reorganisationsmaßnahmen im Unternehmensbereich Hamburger Flugzeugbau (HFB) für notwendig befunden. In diesem Zusammenhang wurde die Gesamtgeschäftsführung von MBB mit der Leitung des Hamburger Unternehmensbereichs beauftragt."

Die Familie Blohm und die ihr zugehörige Hamburger Flugzeugbau GmbH (HFB) stand vor sechs Jahren im Mittelpunkt einer großen Fusionsbewegung in der deutschen Luftfahrtindustrie. Ludwig Bölkow buhlte damals um die Vereinigten Flugtechnischen Werke (VFW) in Bremen als drittem Partner neben Messerschmitt in seinem Unternehmen. VFW wiederum flirteten kurz mit Blohm, bevor sie sich den Holländern Fokker zuwandten und Bölkow dann zu einem Übereinkommen mit den Hamburgern kam.

Für die Familie Blohm war das Zusammengehen mit einem starken Partner eine Frage des Überlebens von HFB. Nur durch die Konzentration blieb die Liquidation des glücklosen Hamburger Flugzeugprojekts HFB 320 "Hansa-Jet" ohne schwerwiegende Folgen für die Hamburger. Für MBB wurde sie mit 150 Millionen Mark Verlust ein schwerer finanzieller Aderlaß.