Fast vier Jahre sind vergangen, seit die Bundesrepublik im deutsch-polnischen Vertrag vom Dezember 1970 die Oder-Neiße-Grenze anerkannt und auf die Ostgebiete verzichtet hat, die ein Viertel des alten deutschen Reiches ausmachten. Dieser Vertrag sollte die Grundlage zur Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Staaten darstellen. Sie lief jedoch nur langsam an und endete schließlich in ärgerlicher Stagnation. Schuld daran war die polnische Absicht, nun, da die wichtigste Forderung erfüllt war, für ihre Zusage, Umsiedlungen zuzulassen, nachträglich noch eine Forderung geltend zu machen: die Entschädigung der KZ-Opfer. Da Warschau sich nicht dem Odium, Menschenhandel zu betreiben – pro Aussiedler soundsoviel Mark – aussetzen wollte, erhielt dieser ganze Komplex das Etikett "Humanitätsanliegen".

Die deutsche Delegation unter Führung von Frau Renger wurde in der vorigen Woche in Warschau immer wieder mit der Forderung nach Entschädigung konfrontiert. Auch Außenhandelsminister Olszewski, der gleichzeitig in Bonn verhandelte, betonte, wie wichtig dieses Thema sei. Daß er das im Vorjahr dem damaligen Außenminister Scheel gegebene Versprechen Warschaus, 1974 50 000 Volksdeutsche ausreisen zu lassen, nicht eingehalten hat – es kamen noch nicht einmal 5000 – schien dabei keine Rolle zu spielen.

Das deutsch-polnische Kooperationsabkommen, das soeben in Bonn abgeschlossen wurde, wird nun hoffentlich die Normalisierung endlich vorantreiben: Ausbau des Handels, engere Wirtschaftsbindungen zwischen den beiden Ländern, Gründung gemischter Gesellschaften... Dies alles könnte längst in Gang sein, wenn sich die Polen nicht auf Verzögerungstaktik verlegt hätten. Bisher aber hat die Zeit nicht für Polen gearbeitet, und sie wird dies auch in Zukunft nicht tun. Wer weiß, ob die Bundesrepublik im nächsten Jahr ihr Angebot, eine Milliarde Mark Kredit zu gewähren – was die Polen bisher als nicht ausreichend zurückwiesen – noch aufrechterhalten kann. Dff.