Ein Schweizer will deutschen Unternehmern zu Aufträgen verhelfen

Für ihr Unternehmen bedeutet eine wirtschaftliche Flaute Aufwind; ihre Börse blüht in der Baisse. Ein paar junge Schweizer setzen auf die Flaute – und expandieren deshalb, während andere stagnieren. Vom nächsten Jahr an werden auch in der Bundesrepublik freie Kapazitäten und Lohnaufträge angeboten.

Die Unternehmensidee ist einfach. Die "AG für Kapazitätenausgleich war Ende 1973 in Baden bei Zürich gegründet worden. Anfänglich hatten sich etwa 250 Firmen aus der Metall-, Maschinen- und Elektrobranche angeschlossen, heute sind es knapp 400. Sie melden der Kapazitäten-Börse jeweils bis zum Freitagmittag freie Kapazitäten oder zu vergebende Aufträge. Am Montag erhalten die Börsenmitglieder ein Bulletin. Aus ihm erfahren sie beispielsweise, daß in einer Firma ein Sägeautomat KASTO UBS während 200 Stunden pro Monat ungenutzt herumsteht, oder daß eine andere Firma Lohnaufträge für Revolverdreharbeiten bis zu einem bestimmten Termin zu vergeben hat.

Die Idee, über eine Börse freie Kapazitäten an den Mann zu bringen, entwickelten ehemalige Studienkollegen von der Hochschule St. Gallen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Bei der Gründung ihrer Börse dachten sie eher an überlastete Kapazitäten und dringende Lohnaufträge, die mittleren und kleineren Betrieben in der Hochkonjunktur Probleme brachten.

Heute bedienen sich aber auch Großunternehmen, wie BBC, Sulzer, Georg Fischer, der Dienste der Börse. Und die Flaute, in die viele andere Unternehmen mittlerweile gerutscht sind, bringt der Börse neue Kunden.

So stehen im wöchentlichen Badener Bulletin durchschnittlich 60 freie Kapazitätsmeldungen rund zehn Lohnaufträgen gegenüber. Noch ein paar Zahlen: auf die 70 Meldungen gibt es 80 bis 90 Anfragen, 75 Prozent der Mitglieder haben die Börse bereits genutzt, und nur drei Prozent sind wieder ausgeschieden, insbesondere weil sie zu spezialisiert waren und gar keine Partner finden konnten.

Einfach ist nicht nur die Idee, sondern auch die Arbeitsweise der Badener Börse. Ein Geschäftsführer und eine Sekretärin sammeln die Nachfragen und Offerten und erstellen die Bulletins im Nebenberuf. Auf einen Computer, wie ihn Konkurrenz-Unternehmen einzuführen planen, verzichten sie, weil dieser "die Sache nur verteuert". Ihr wichtigstes Argument bei der Kundenwerbung: Volle Diskretion. Diese Diskretion, so Geschäftsführer Kurt Schweizer, verhalf ihrer Idee letztlich zum Durchbruch.