Ein Wunder müßte geschehen, wenn es bei der Kölner Herstatt-Bank sehr rasch zu jenem außergerichtlichen Vergleich käme, für den Mehrheitsaktionär Hans Gerling einen Vorschlag vorgelegt hat. Danach soll der von ihm zugesagte und zum größten Teil ausgezahlte Härtefonds von 30 Millionen Mark durch einen Zusatzfonds "bis zu 200 Millionen Mark im Rahmen eines Hilfsfonds aufgestockt werden". Angepeilt werden die Quoten, die Vergleichshelfer Günther Vogelsang in seinem zweiten Vorschlag errechnet hat: 65 Prozent für private Gläubiger, 55 Prozent für Kommunen und ausländische Banken, 45 Prozent für inländische Banken.

Die Zweifel, ob die Gläubiger dem Vorschlag rasch zustimmen werden, wuchsen wegen der Bedingungen, an die Hans Gerling seine Leistung knüpft. Die Gläubiger müssen nämlich erklären, "daß Herrn Dr. Hans Gerling kein Verschulden an der Entstehung der Devisenverluste und an dem Zusammenbruch der Herstatt-Bank trifft und daher auch keinerlei Ansprüche gegen ihn ausder Organhaftung oder anderen Gründen geltend gemacht werden können". Die Leistungen des Härtefonds und des Zusatzfonds müßten als steuerlich absetzbar anerkannt werden. Schließlich sollen die Gläubiger bestätigen, daß Gerlings Leistungen freiwillig sind.

Hans Gerling hat sich mit seinen Juristen beraten. Er möchte sich so absichern, daß er nach Zahlung der Summen, die einen Vergleich möglich machen, nicht doch noch Prozesse befürchten muß, die eine Durchgriffshaftung zum Ziel haben. Für die Zustimmung und die geforderten Erklärungen hat er zwar eine Frist bis zum 12. November gesetzt. Aber er möchte das nicht als Ultimatum gewertet wissen. Über die Bedingungen will er durchaus mit sich reden lassen. Warum dann erst die schroffe Forderung? Im Umgang mit seinen Mitmenschen tat sich Hans Gerling schon immer schwer. R. H.