Von Wolfram Siebeck

Vor ungefähr 40 Jahren schrieb George Orwell ein Buch mit dem schönen Titel "Keep the Aspidistra flying". Eine Aspidistra ist eine Schusterpalme, eine jener grauslichen, dunkelgrünen Topfpflanzen mit lederartigen Blättern, die früher in allen bürgerlichen Wohnzimmern herumstanden. Damals klang der Titel des – keineswegs botanischen – Buches ganz schön absurd; doch längst nicht so verrückt, wie er heute lauten könnte, ohne den Boden wissenschaftlicher Erkenntnisse zu verlassen. "Keep the Aspidistra smiling" zum Beispiel wäre heute ein ernstzunehmendes Gebot für den Umgang mit Zimmerpflanzen. Denn – so die sensationelle Entdeckung des amerikanischen Lügendetektor-Spezialisten Cleve Backster – Zimmerpflanzen haben Gefühle.

Seine verblüffende Behauptung wurde von zwei skeptischen Münchener Forschern nachgeprüft und, widerwillig, bestätigt: Ein an ein Gehirn-Strom-Meßgerät angeschlossenes Philodendron gab deutliche Anzeichen von Aufregung, Freude und Angst von sich. Man stelle sich vor: jedesmal, wenn die Hausfrau das Wohnzimmer mit dem Gießkännchen betritt, schnurrt so eine Pflanze innerlich vor Wohlbehagen; nähert sich ihr aber der hoffnungsvolle Sprößling mit einer Schere und hat Böses im Sinn, schnürt ihr die Angst die Kehle zu – oder was immer da zuzuschnüren ist an einer Schusterpalme.

Die unvermeidliche Konsequenz dieser Entdeckung ist die Gründung eines Pflanzenschutzvereins. Blumenquälerei wie "Sie liebt mich, von Herzen, mit Schmerzen, ein wenig, fast gar nicht...", werden Blumenfreunde nicht mehr dulden wollen.

Ohne ihren Ratschlägen vorgreifen zu wollen, möchte ich hier einige Tips geben, wie wir den grünblättrigen Lieblingen viel Kummer und Verdruß ersparen können:

Eine Pflanze braucht Nestwärme. Gönnen Sie deshalb Ihrer Zimmerpalme täglich einige Minuten, in denen. Sie beruhigend mit ihr reden oder wenigstens liebevoll an sie. denken. Zeigen Sie Ihre Sympathie durch kleine Zärtlichkeiten. Verbieten Sie Ihren Kindern, die Pflanzen zu berühren; am besten, Sie sperren sie zu den Hunden in den Käfig, dort können sie den empfindlichen Pflanzen keinen Schaden zufügen.

Schütten Sie den Schnaps des Gastgebers nur noch in den Kamin oder, wenn das unbemerkt geschehen kann, in den Ausschnitt Ihrer Tischdame, aber niemals in Blumentöpfe.