Timmendorf / Ostsee

Ein Parteitag geriet zur Formsache. Ungeachtet der Wahlschlappen von Bayern und Hessen erklärten sich die Freien Demokraten Schleswig-Holsteins am vergangenen Wochenende in Timmendorf für ein sozial-liberales Regierungsbündnis nach der Landtagswahl am 13. April 1975.

Allerdings knüpfen die Liberalen nördlich der Elbe ihr Jawort zur politischen Ehe mit den Sozialdemokraten an einige Vorbedingungen: Keine Partei dürfe die absolute Mehrheit haben; die Rechte des Bürgers müßten verstärkt werden; das dreigliedrige Schulsystem müsse langfristig überwunden werden. Auch gelte es, das jetzige Gesellschaftssystem zugunsten einer größeren sozialen Gerechtigkeit zu verändern. Der FDP-Landesvorsitzende Ronneburger, nur mit einer Gegenstimme von rund 190 Delegierten zum Spitzenkandidaten nominiert, hält das Programm nur mit der SPD für durchsetzbar: Der Begriff liberal sei kein Schlagwort, auf gar keinen Fall ein Aufkleber für sorgfältig sterilisierte politische Konserven ohne Haltbarkeitsdatum.

Dennoch gab es Widerspruch. Zwei Kreisverbände wollten die FDP grundsätzlich lieber in der Opposition sehen, weil es auch mit der SPD zu keiner Mehrheit komme. Es war ein Antrag ohne Chancen. Die FDP, so meinte ein Delegierter, müsse endlich aufhören, von einem Zug abzuspringen, sofern dieser auf ein Abstellgleis zurolle, und dennoch auf die planmäßige Ankunft zu hoffen. R. B.