Neu in Museen und Galerien:

Bad Godesberg Bis zum 22. November, Haus an der Redoute: "Hans Baluschek"

Die Ausstellung, die im Zusammenhang mit den Berliner Theaterwochen in Bonn-Bad Godesberg gezeigt wird, soll nach den Worten von Senatoi Werner Stein die "Wiederentdeckung eines fast vergessenen Meisters" einleiten. Vergessen oder fast vergessen ist der Berliner Maler Hans Baluschek in der Bundesrepublik. In der DDR ist er postum zu außerordentlichen Ehren gekommen Er wird als "aufrichtiger mutiger Sozialist" gefeiert, sein Werk nehme "einen wichtigen Platz ein in der realistischen Traditionslinie der modernen Malerei, die in die sozialistische Kunst einmündet", schreibt Günter Meißner (der 1962 über Baluschek promoviert hat). Baluschek: ein Rebell des Inhalts, kein Rebell der Form. Man schätzt ihn in der DDR aus den gleichen Gründen, aus denen Wilhelm II. ihn als "Rinnsteinkünstler" abqualifizierte, weil er nämlich Mietskasernen, Kleinbürger und Proletarier gemalt hat. Das kann man ihm nicht als Verdienst und erst recht nicht als Vorwurf anrechnen. Mit einer rein inhaltlichen Argumentation läßt sich eine Wiederentdeckung nicht rechtfertigen. Die Ausstellung mit ihren rund hundert Bildern, Zeichnungen und Lithographien aus den Jahren 1890 bis 1934 bestätigt Baluschek in der Rolle eines Chronister. und eines Engagierten, der sich weitgehend mit den Ausgebeuteten solidarisiert. Was man zu sehen bekommt, sind manchmal komische, häufig ziemlich rührselige Geschichten, die im Schrebergarten, im Wartesaal, auf dem Friedhof und im Tingeltangel spielen. Die Wiederentdeckung des Milieumalers wäre überflüssig, wenn es in seinem Frühwerk nicht einige großartige Momente gäbe Bilder wie "Hier können Familien Kaffee kochen" von 1895 und "Ein Verbrechen ist geschehen" vor 1894 sind in dem hellen, trockenen Kolorit beste Beispiele für einen Stil, der dem literarischen Naturalismus dieser Jahre entspricht. Gottfried Sello

München Bis zum 12. Januar 1975, Haus der Kunst: "Die Kunst der Naiven – Themen und Beziehungen’

Die naive Malerei ist in Mode gekommen, die wachsende Zahl einschlägiger Publikationen und Ausstellungen reagiert auf einen Trend und verstärkt ihn zugleich. Und es ist modisch geworden, naiv zu malen, der schöne Schein einer heilen Welt ist gefragt – auch die unbefangen-treuherzige Kreativität von Hausfrauen und Ruhrkumpels wird ohne Bedenken vermarktet. "Wesen und Charakter der naiven Kunst", schreibt Otto Bihalji-Merin, der Naiven-Spezialist, "wachsen in der Seelenlandschaft von Einfalt und Aufrichtigkeit." Das ist sicher richtig, aber es wäre einfältig, nun zu glauben, daß alle Kunst, die das Etikett "naiv" trägt, dies tatsächlich auch ist. Die jugoslawischen Bauernmaler sind in der Mehrzahl längst Vertreter einer Kunstindustrie, die das vom Markt Gewünschte liefert. Die Münchener Ausstellung (ein ambitioniertes, von der Kenntnis des Organisators Bihalji-Merin durchaus profitierendes Unternehmen) verdeutlicht den Unterschied zwischen einer naiven Malerei, die lediglich auf Grund äußerer Merkmale den Kunstkontext für sich beanspruchen kann (immer vorausgesetzt, daß sie es überhaupt will), und einer naiven Malerei, die wirklich Kunst ist (selbst wenn sie nicht beabsichtigte, es zu sein). Henri Rousseau, der Zöllner, war ein großer Künstler, und er hat gewußt, daß er einer war. Für sein Werk (es ist, eine Ausstellung in der Ausstellung und ihr Höhepunkt dazu, hervorragend repräsentiert) bleibt die Klassifizierung naiv belanglos, ja klingt fast abschätzig. Rousseau gehört zu den Naiven (warum übrigens nicht auch Utrillo?) und auch wieder nicht, als Galionsfigur, Großvater und Großmeister dieser Art von Malerei durfte er wohl nicht fehlen. Solche Kunst allerdings setzt Maßstäbe, denen das Schaffen nur weniger anderer standhält der sinnlich-vitale Camille Bombois gehört dazu: Seraphine, die mystische Visionärin; in glücklichen Momenten der antikenbegeisterte André Bauchant; Orneore Metelli, der Schuhmacher aus Terni; der erotische Tagträumer Morris Hirshfield. Das Gros des übrigen ist Folklore. Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen:

Baden-Baden Bis zum 24. November, Staatliche Kunsthalle: "Bernard Schultze – Die Welt der Migofs"