Deutschlands größter privater Bauunternehmer, Heinz Mosch, sandte in der vergangenen Woche einen Notruf an seine Hausbanken. „Wenn sie ihn jetzt im Stich lassen, ist es nächste Woche aus mit ihm“, hieß es in seiner Zentrale in Wiesbaden. Die vierte Rezession in der 26jährigen Geschichte des Unternehmens versetzte dem 50jährigen Chef eines Konglomerates von Grundstücks-, Finanzierungs-, Bau- und Verwaltungsfirmen einen schweren Schlag. Zwar schien sich zum Wochenende eine Lösung anzubahnen, doch ob Heinz Mosch „mit einem blauen Auge davonkommt“, wie er hofft, ist fraglich.

Die Schwierigkeiten der Gruppe begannen 1973. Die Rezession im Baugewerbe, die sich mit stagnierenden Verkäufen, leerstehenden Miets- und Eigentumswohnungen und extremen Zinskosten ankündigte, zwang Mosch, seinen Personalbestand von damals rund 2500 um mehr als die Hälfte zu reduzieren.

Der zweite Schatten fiel auf das Unternehmen, als durch einen Zufall Finanzierungsunterlagen über den Fonds „M 19“ mit Wohnungen in Mainz an die Öffentlichkeit gelangten. Aus ihnen ging hervor, daß sich Mosch in seiner Eigenschaft als Grundstückskäufer, Bauträger, Baubetreuer, Fondsverwalter und Grundstücksvermieter recht eigentümlicher Methoden bediente. So präsentierte er der mit den finanziellen Abwicklung und Kontrolle beauftragten Hessischen Landes-, bank eine Baurechnung über 12,7 Millionen Mark, während sich aus den Unterlagen lediglich Baukosten in Höhe von 8,6 Millionen Mark ergaben. Die Fondszeichner, die auf die Seriosität der Landesbank als ihres Treuhänders bauten, erfuhren nichts davon.

Den dritten Vorfall deckte ein ehemaliger Mosch-Angestellter auf. Er spielte dem hessischen Haushaltsausschuß vertrauliche Geschäftsunterlagen des Unternehmens zu, aus denen hervorging, daß Mosch möglicherweise auch beim Großprojekt „Altmünster-Center“ in Mainz mit Baupreisen jonglieren wollte. Sollte den Fondszeichnern ursprünglich eine Bausumme von 90 Millionen Mark berechnet werden – ein Betrag, bei dem Mosch 20 Millionen Mark kassiert hätte, reduzierten seine Finanzplaner in Wiesbaden diese Summe später, aber schlugen gleichzeitig zehn Millionen Mark als „erforderliche Stützung auf zehn Jahre für zu erwartenden Mietausfall“ auf.

In welchen Größenordnungen in der Mosch-Geschäftsführung geplant wurde, zeigte sich schließlich an der dritten Kalkulation. Sie kam nur noch auf einen Betrag von 72 Millionen Mark. Obwohl Mosch glaubhaft zu machen suchte, daß es sich hierbei lediglich um interne Kalkulationen gehandelt hätte, war Mißtrauen gesät. Die Hessische Landesbank lehnte es ab, die Fondszertifikate für das Center an ihre Kunden zu verkaufen. Mosch mußte in der Hoffnung bauen, später genügend Kapitalanleger dafür zu finden.

Im Juni dieses Jahres zeigte sich dann das ganze Ausmaß der Krise. Mosch mußte den Anteilseignern von vier seiner geschlossenen Immobilienfonds die garantierten Zinszahlungen streichen und flüchtete sich in einen vorsorglich eingebauten Vertragsvorbehalt. Danach war eine Einstellung der Zinszahlungen rechtlich möglich, wenn „Minderungen und Ausfälle auf Grund höherer Gewalt oder einer wesentlichen Änderung der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse“ eintraten. Etwa 2000 stille Mosch-Teilhaber mußten auf ihre Einnahmen verzichten. Der Unternehmensgruppe, die etwa 60 geschlossene Immobilienfonds, zwei Drittel davon in Westberlin, aufgelegt hat, stand das Wasser bis zum Halse. Dringend benötigtes Eigenkapital, das über die Abschreibungsfonds hereinkommen sollte, blieb aus.