Die liberalen Kräfte in Spanien fürchten, daß das "Programm der Öffnung", das am 12. Februar von Ministerpräsident Arias Navarro eingeleitet worden war, einen schweren Rückschlag erlitten hat. Ihre Skepsis gründet sich auf die Entlassung des Informationsministers Pio Cabanillas und den freiwilligen Rücktritt des Wirtschaftsministers Antonio Barrera de Irimo. Damit sind jene beiden Kabinettsmitglieder ausgeschieden, auf die sich die Hoffnungen der progressiven Kräfte in Spanien am meisten gestützt hatten.

Cabanillas wurde nah monatelangen Attacken der Ultrarechten entlassen. Unter seiner Amtsführung hatten sich Presse, Funk und Fernsehen größerer Freiheiten erfreut als bisher. Aus Protest gegen die Entlassung legte auch Cabanillas Kabinettskollege Barrera de Irimo sein Amt nieder, obwohl Franco ihn umzustimmen versucht hatte. Eine solche Solidarisierung gab es zum erstenmal in der 35jährigen Geschichte Franco-Spaniens.

Für die spanische Wirtschaft bedeutet die Demission das Wirtschaftsministers einen ernsten Verlust. Barrera de Irimo hatte eine große Wirtschafts- und Finanzreform, vor allem mit dem Ziel einer gerechteren Steuerpolitik, vorbereitet. Ihr Fortgang ist unter dem Nachfolger Cabello de Alba fraglich geworden.