Von Kurt Wendt

Zahlreiche Kreditinstitute stehen vor einer schweren Entscheidung. 300 000 durch sie finanzierte Wohnungen sind zur Zeit unverkäuflich und nicht vermietbar. Dadurch wird ein Finanzvolumen von rund 30 Milliarden Mark gebunden. Viele Bau- und Bauträgerfirmen sind nicht mehr in der Lage, die Zinsen aufzubringen. Sie bitten entweder um Stundung oder gehen den Weg zum Vergleichs- beziehungsweise Konkursrichter. Trotz dieser jedermann bekannten Misere werden die Verkaufs- und Mietpreise der leerstehenden Objekte hochgehalten. Funktioniert hier die Marktwirtschaft nicht?

Die Antwort lautet: Bisher noch nicht! Banken und Sparkassen scheuen vor Zwangsversteigerungen zurück, weil sie fürchten, die von ihnen beliehenen Objekte selbst übernehmen zu müssen. Aber sie haben nur geringe Lust, selbst Wohnungsbauunternehmer zu werden. Aber wenn sie nicht selbst ersteigern, besteht die Gefahr, daß der von anderer Seite gebotene Preis nicht einmal die Hypotheken und Zwischenkredite deckt. Verluste der Banken wären dann unvermeidlich.

Ihre Verschleppungstaktik rechtfertigen die Banken mit der Aussicht auf eine wieder wachsende Nachfrage, "wenn der Zins gesunken und das Vertrauen der Interessenten in die wirtschaftliche Entwicklung wieder gewachsen ist." Man verweist auf die sich auf Sparkonten ansammelnden Gelder, von denen angenommen wird, daß ein Teil davon zum Erwerb einer Eigentumswohnung gedacht ist. Mit anderen Worten: Die Nachfrage soll in das vorhandene Überangebot hineinwachsen.

Ob allerdings alle Kreditinstitute in der Lage sein werden, die Durststrecke zu überstehen, muß bezweifelt werden. Nicht umsonst versucht der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, Helmut Geiger, eine Liquiditätsbank für die Bauwirtschaft zustande zu bringen. Mit ihr will er "an sich" gesunden Unternehmen der Bauwirtschaft über die Runden helfen und damit gleichzeitig Gefahr von jenen. Instituten abwenden, die sich in der Baufinanzierung zu weit vorgewagt haben. Und das sind in erster Linie die Landesbanken, allen voran die Hessische Landesbank. Sie hat in der Vergangenheit überall im Bundesgebiet Spuren ihrer überzogenen Geschäftspolitik hinterlassen. Für die Liquiditätsbank haben sich nur wenige Verantwortliche aus dem Kreditgewerbe erwärmen können.

Und auch der Bund hält sich, obwohl er immer drängender um "Hilfe für das bedrängte Baugewerbe" angegangen wird, wohltuend zurück. Bundeswohnungsbauminister Ravens hat erst kürzlich darauf hingewiesen, daß es Bonn nicht an rechtzeitigen Warnungen hat fehlen lassen. Er nannte den zeitweisen Fortfall des Abschreibungsparagraphen 7b. Wenn sich trotzdem Kapitalgeber gefunden haben, die über die halsbrecherischen Kölner und andere Modelle ins "Betongold" drängten, dann verdienen sie jetzt alles andere als öffentliche Hilfe. Daß Bundesland der ihren bedrängten Landesbanken in bestimmten Objekten mit Landesbürgschaften entgegenkommen, ist eine ganz schlimme Sache, weil sie dem Steuerzahler ein Risiko aufladen, das expansionswütige Bankvorstände haben entstehen lassen.

Eine Branche, die jahrelang auf der Sonnenseite der Konjunktur gelegen hat, deren Vertreter Gewinne gescheffelt haben, in der Unseriösität oftmals einen breiten Nährboden fand (welcher Eigenheimbauer oder -erwerber kennt keine Beispiele), verdient keine Sanierung auf Kosten der Steuerzahler. Sie muß jetzt auch die Schattenseite der Marktwirtschaft in Kauf nehmen.