Daß irgend etwas bei den GHH- und MAN-Aktien vor sich ging, war an den Kursen der Unternehmen schon seit einiger Zeit abzulesen. Es gab merkwürdige Sprünge, die sich nicht mit der in diesen Papieren üblichen Marktenge begründen ließen. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Den MAN-Vorzugsaktionären wird das Angebot gemacht werden, ihre Papiere in noch zu schaffende GHH-Vorzugsaktien im Verhältnis 1 : 1 umzutauschen.

Um Insidern das Geschäft zu erschweren, waren die MAN-Notizen an der Börse für einige Zeit ausgesetzt worden. Nach Wiederaufnahme des Handels am Beginn dieser Woche zeigte sich, daß sich der Kurs der MAN-Vorzugsaktie um etwa zehn Prozent seines Wertes verbessert hatte. Von einer "drängenden Nachfrage" konnte jedoch keine Rede sein. Nun liegt es sicherlich auch nicht im Sinne der GHH, wenn jetzt der Kurs der MAN-Vorzugsaktien rapide nach oben steigt. Denn wenn das Umtauschangebot quantitativ erfolgreich werden soll, braucht man vom Kurs her einen Anreiz. Oder: Die MAN-Vorzugsaktionäre müssen sich aus dem Tausch einen Nutzen ausrechnen können. Wie steht es damit? Zunächst die Dividende. Bei MAN betrug sie in den letzten Jahren sechs Mark je 50 Mark-Aktie, bei der GHH sieben. Die beiden Gesellschaften dürften die alten Sätze beibehalten. Da bei der GHH der Gewinn für 1974 auf 9,50 Mark je Aktie geschätzt wird, bei MAN aber nur auf neun Mark, liegen die Kurse der beiden Aktien auch auseinander. Die GHH-Aktie wird mit 124 Mark bewertet, die vergleichbare MAN-Stammaktie mit 115 Mark. Experten gehen davon aus, daß der Kurs der neuen GHH-Vorzugsaktien um etwa zehn Mark billiger sein müßte als die GHH-Stammaktie.- Den MAN-Vorzugsaktionären winkt also aus heutiger Sicht nicht nur eine bessere Dividende, sondern auch noch ein kleiner Kursgewinn.

Über die Gründe für diese Transaktion schweigt sich die GHH-Verwaltung weitgehend aus. Es ist aber anzunehmen, daß die GHH die gutverdienende Tochtergesellschaft auch kapitalmäßig enger an sich knüpfen will. Bisher besaß die GHH 75,23 Prozent der stimmberechtigten MAN-Stammaktien von 120 Millionen Mark und 15,55 Prozent der stimmrechtslosen Vorzugsaktien von 80 Millionen Mark. Da es Transaktionen gibt, bei denen auch stimmrechtslose Aktien als Teil des Gesamtkapitals eine Rolle bei der Willensbildung spielen, etwa beim Abschluß von Beherrschungsverträgen, scheint der GHH-Vorstand daran interessiert zu sein, auch bei den MAN-Vorzugsaktien die Dreiviertel-Mehrheit in die Hand zu bekommen. Schon in der Vergangenheit war es das erklärte Ziel der GHH, die MAN mit einem möglichst geringen Kapitaleinsatz zu beherrschen. Daher legte man auf den Besitz der stimmrechtslosen MAN-Vorzugsaktie zunächst geringen Wert, Ende 1972 lagen erst 5,5 Prozent der Papiere im GHH-Portefeuille.

Kommt es zum Abschluß eines Beherrschungs-Vertrages zwischen GHH und MAN, müßte auch den MAN-Stammaktionären das Angebot gemacht werden, GHH-Aktien zu übernehmen. Damit scheint jedoch vorerst nicht zu rechnen zu sein. Offenbar will man dazu nur jederzeit die Tür offen haben. Ausdrücklich wurde in Oberhausen, dem GHH-Sitz, erklärt, daß die MAN-Aktie als eigenständiges Börsenpapier erhalten bleiben soll. Fest steht wohl, daß der Kurs der GHH- und MAN-Stammaktien künftig noch enger als bisher miteinander verknüpft sein werden.

Da die GHH-Verwaltung mit Auskünften nach dem "tieferen Sinn" der Transaktion sparsam ist, wuchern die Vermutungen. Ob dahinter mehr steckt als der Wunsch nach der Möglichkeit, jederzeit einen Beherrschungsvertrag abschließen zu können, ist schwer zu sagen. In einigen Publikationen heißt es, daß auch die Furcht vor Überfremdung der Stamm-Aktien durch die mögliche Einführung eines Vermögensbildungs-Modells eine Rolle gespielt haben mag. Je höher der Anteil eines Großaktionärs am Aktienkapital, um so länger kann er seinen entscheidenden Einfluß gegen eine mögliche Fremdbestimmung verteidigen, Aber was die GHH bei MAN gewinnt, verliert die Großaktionärsfamilie Haniel bei der GHH. Also logisch ist dieses Argument nicht gerade,

Wahrscheinlicher klingt, daß man sich darauf einrichtet, daß die paritätische Mitbestimmung unter Umständen nicht auf abhängige Tochtergesellschaften ausgedehnt wird. Dann könnte man MAN von der Fremdbestimmung freihalten.

Aber auch das sind alles Spekulationen ohne viel Substanz. Für den MAN-Vorzugsaktionär kann allein ausschlaggebend sein, ob er mit seinem Papier tatsächlich etwas Gleichwertiges oder Besseres eintauscht. Und dies scheint in der Tat der Fall zu sein... Ihr Securius