War noch vor wenigen Jahren alles, was mit Militär und Krieg zu tun hatte, in unserer Spielwelt tabu, so hat sich das mittlerweile gründlich geändert. Inzwischen sieht es so aus, als sei es der Ehrgeiz jedes Herstellers, mindestens ein sogenanntes "strategisches" Spiel auf den Markt zu bringen (wir werden darauf noch zurückkommen), wobei der Begriff "strategisch" so weit ausgelegt wird, daß auch das gute alte Halma als Kriegsspiel gelten könnte.

Die Firma Hausser nimmt es etwas genauer. Unter dem Titel "Die großen Schlachten der Erde" bringt sie berühmte Kriegsereignisse als Brettspiele heraus. Bisher liegen vor: "Römer gegen Karthager (Die Schlacht am Metauro)" und "Rothäute gegen Bleichgesichter, (Die Schlacht am Little Big Horn)". Zur Auffrischung der Geschichtskenntnisse: In der Schlacht am Metaurus bei Sena Gallica 207 v. Chr. besiegten die Römer die Karthager (2. Punischer Krieg); am Little Big Horn vernichteten 1867 die Sioux den US-General Custer mit seiner Truppe.

Beide Spiele verwenden ein mit Geländezeichnung versehenes Spielfeld und Modellsoldaten. Dazu kommen Sanduhren und Würfel.

Bei der Metaurus-Schlacht verfügen die Römer über Kavallerie, die dem gegnerischen Fußvolk um einen Punkt überlegen ist und schneller ziehen kann; die reiterlosen Karthager besitzen zum Ausgleich einen Kriegselefanten, was gleich zwei Punkte mehr einbringt. Weitere Vorzugspunkte kann man gewinnen, indem man schwieriges Gelände besetzt, von dem aus man dem Gegner im flachen Feld um einen Punkt überlegen ist, empfehlenswert für das Fußvolk, weil Reiter und Elefant nicht in dieses Gelände eindringen können. Unzugängliches Terrain bilden; Felsen oder Fluß, sie müssen umgangen werden. Hat man das Spiel häufiger gespielt, so zeigt sich, daß die Variationsbreite der Eröffnungszüge gering ist.

Sieger ist, wem es gelingt, die zwei Feldzeichenpositionen des Gegners zu besetzen oder dessen General zu töten. Variationen sind insofern gegeben, als die Punktzahl von Infanterie, Kavallerie und Elefant differieren und geschicktes Taktieren mit Punktüberlegenheit – neben dem Würfelglück natürlich – sehr rasch zum Erfolg führen kann. Wer am Ende siegt – ob Römer, ob Karthager – ist stets offen; von einem Nachspielen der historischen Situation kann keine Rede sein.

Anders ist es bei "Little Big Horn". Die Indianer verfügen über Kavallerie, die Weißen nicht. Die Bleichgesichter können nur siegen, wenn sie die mit Gewehren bewaffneten berittenen Indianer ausschalten; die Rothäute siegen, wenn sie Custer und seine beiden Offiziere zum Ausscheiden zwingen oder aber auch dann schon, wenn sie das Feld mit der Fahne nehmen. In der Praxis bedeutet das fast immer einen Sieg der Indianer, der Historie entsprechend, und das macht den Kampf für die Spieler rasch uninteressant. Bei mehr als einem Dutzend Spielen gelang es nur einmal – und nur auf Grund überdurchschnittlichen Würfelglücks – die Indianer zu schlagen. Empfehlenswerter ist daher "Römer gegen Karthager", da hier der Ausgang lange offen bleibt und Überraschungserfolge sogar noch in letzter Minute möglich sind. Wenn man will, kann man weitere Spielfiguren – exakte Modelle – zusätzlich kaufen und so für größere Abwechslung sorgen. Beide Spiele sind sowohl für Erwachsene wie auch schon für Achtjährige reizvoll und sehr rasch zu lernen. Eckart Kleßmann

"Die großen Schlachten der Erde": "Römer gegen Karthager (Die Schlacht am Metauro)"; "Rothäute gegen Bleichgesichter (Die Schlacht am Little Big Horn)". Hausser, je DM 45,–