Bernard Shaw war froh darüber, daß die Menschen ihrer Liebeslust nicht schreiend Ausdruck geben "wie die Katzen, sonst könnte man in London sein Wort nicht mehr verstehen". Achim Türklitz aber will jenen Schrei nun populär machen – mit Wachteleiern: "Fünf Eier täglich – nach vier Tagen habe ich bei jedem Mädchen losgeschrien."

Warum schreit er? Achim Türklitz verkauft Wachteleier, und zwar jede Menge. Während die daumennagelgroßen, 10 Gramm leichten, aber recht würzigen (ich habe sechs gegessen: nicht geschrien) Dinger bisher nur für viel Geld in Delikatessenläden zu bekommen waren, verkauft der Wachtelmann seine Eier jetzt massenweise über alle Kaufhäuser für n’ Appel und n’ Ei, für 25 Pfennig. Das in Fernost erprobte Ei des Kolumbus für abgeschaffte Westler.

Die neuen Verstärker kommen freilich nicht aus dem fernen, sondern aus dem nahen, dem ganz nahen Osten: Die DDR hat uns das Ei ins Liebesnest gelegt. Auf einer Angelreise entdeckte Türklitz in Schwerin die 40 000-Wachtel-Farm (Produktion: acht Millionen Eier pro Jahr) und kaufte 40 000 Eier.

Diese nüchterne Fortschrittsrepublik freilich verzichtet auf mystisch-geheimnisvolle ostasiatische Hinweise (auf der Packung "20 frische ATÜ-Wachteleier" sind nur die Buchstaben ATÜ asiatisch verbrämt), sondern wirbt ganz cool mit dem angeblich wissenschaftlichen Zauberbegriff Vitamin E, das im Wachtel- zweieinhalbmal mehr als im Hühnerei vorhanden sei.

Vitamin E aber ist fürwahr ein Windei: Wissenschaftler haben festgestellt, daß der Mensch überhaupt kein Vitamin E braucht, und wenn er es schon brauchte, hätte er ohnehin genug davon.

Wolfram Runkel