Schrumpfende Nachfrage und sinkende Preise bei Halbleitern veranlaßten den US-Konzern Texas Instruments, ein erst fünf Jahre altes Zweigwerk in Bayern zu schließen.

Ingolstadt versteht seine Texaner nicht mehr. Erst hatte sich die Texas Instruments Deutschland GmbH aus dem nahegelegenen Freising von der Bayerischen Raffinierie-Metropole Grundstück und Gebäude stellen lassen und Ende 1969 darin ein Zweigwerk für die Halbleiter-Produktion eröffnet. Nun will die Tochter der US-amerikanischen Texas Instruments Corp. ihre Ingolstädter Pioniertat wieder zurücknehmen: Ende 1974 wird der Betrieb geschlossen, die 350 Mitarbeiter werden entlassen.

"Die Produktionsmethoden bei Halbleitern", so begründet Dietmar Wolff, Geschäftsführer der deutschen Texas-Tochter, die Schließung, "haben sich so stark gewandelt, daß das Werk in Ingolstadt, wenn wir die nun überzähligen Leute nicht eingespart hätten, von der Belegschaft her nicht mehr rentabel wäre." Die überraschten Niederbayern sehen es simpler: "Typisch texanische Methode."

Die Texas Instruments, mit 74 000 Beschäftigten und 1,3 Milliarden Mark Umsatz (1973) der größte Hersteller von elektronischen Bauelementen überhaupt, schließt ihr Zweigwerk an der Donau in der Tat ohne Not. Die weltweite Nachfrage nach Halbleitern, die in der Computerproduktion, daneben aber vor allem auch im Radio-, Fernseh- und Telephonbau Verwendung finden, trieb den Umsatz des Elektronikkonzerns bis Ende September im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Vorjahres um 26 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar in die Höhe.

Der Rückzug der Amerikaner aus Ingolstadt hat eher Präventivcharakter: Nachdem sich der Bedarf an Halbleitern seit 1970 verdoppelt hat, sehen sich die Texaner am Ende des Booms. Wegen schrumpfender Nachfrage, vornehmlich aus der krisengeplagten Automobilindustrie, aber auch von der Bundespost erwartet die Texas Instruments Deutschland GmbH bei eher zu lohen Branchen-Kapazitäten einen Preisverfall für die elektronischen Elemente.

Wenig Trost spendet dabei den Ingolstädtern der Umstand, daß sich Texas Instruments weltweit an: eine Verteidigungsstellung zurückziehe Bereits Ende des dritten Quartals 1974 hatten die Texaner ihre Mitarbeiterzahl vom bisherigen Höchststand von über 78 000 Ende Juli auf 73 800 verringert. Im Oktober mußten in Singapur und Taiwan weitere 2250, in den USA und den übrigen Auslandswerken zusätzliche 490 Beschäftigten die Texas-Arbeitsplätze zwangsweise verlassen. Neben den 350 Niederbayern sollen demnächst mehr als 2500 weitere Mitarbeiter entlassen werden.

Auch andere deutsche Halbleiter-Hersteller, so etwa die Unternehmensgruppe Bauelemente der Standard Elektrik Lorenz AG, hegen für den Rest des Jahres eher gedämpfte Erwartungen. Doch so ernst wie Texas Instruments sehen sie die Lage nicht.

Sie erblicken vor allem ein speziell texanisches Problem: Alle Amerikaner, so meinen Experten bei Siemens, dem mit annähernd 30 Prozent Marktanteil größten deutschen Halbleiter-Produzenten, hätten ihre Kapazitäten seit der schweren Branchen-Baisse von 1970/71 besonders stark vergrößert. Ein anderer Branchenkenner sagt es simpler: "Die amerikanischen Halbleiterleute haben aus der letzten Krise nichts gelernt." xs